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	<title>Ehrenamt/Hospiz &#8211; Kirschhäubchen</title>
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	<title>Ehrenamt/Hospiz &#8211; Kirschhäubchen</title>
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		<title>Im Tageshospiz</title>
		<link>https://www.kirschhaeubchen.at/im-tageshospiz/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kirschhaeubchen]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 30 Mar 2025 10:39:09 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Ehrenamt/Hospiz]]></category>
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					<description><![CDATA[Im Rahmen meines Praktikums durchlaufe ich verschiedene Stationen im Haus St. Barbara in Alt Erlaa. Heute darf ich das Tageshospiz kennenlernen – eine Erfahrung, die mich tief berührt. Das Tageshospiz bietet unheilbar kranken, aber noch mobilen Menschen die Möglichkeit, einen Tag in entspannter Atmosphäre und angenehmer Gesellschaft zu verbringen. Die Gäste melden sich telefonisch an [&#8230;]]]></description>
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<p><br>Im Rahmen meines Praktikums durchlaufe ich verschiedene Stationen im Haus St. Barbara in Alt Erlaa. Heute darf ich das Tageshospiz kennenlernen – eine Erfahrung, die mich tief berührt. Das Tageshospiz bietet unheilbar kranken, aber noch mobilen Menschen die Möglichkeit, einen Tag in entspannter Atmosphäre und angenehmer Gesellschaft zu verbringen. Die Gäste melden sich telefonisch an und werden dann von ihren Angehörigen dorthin gebracht. Manche sind noch so fit, dass sie sogar mit den öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen können.</p>



<p>Der Tag beginnt mit einer Teambesprechung. Die Leiterin der Abteilung, eine Krankenschwester, eine Palliativärztin, eine Diätologin und zwei Ehrenamtliche erwarten mich schon und begrüßen mich herzlich. Für heute werden drei Damen erwartet – Platz wäre für sechs Gäste. Doch die Hemmschwelle ist hoch. Viele Menschen denken beim Wort Tageshospiz noch immer sofort an das Ende, an das Sterben. Dabei ist das hier ganz anders: Es geht um Gemeinschaft, Austausch, das Gefühl, dem eigenen Krankenzimmer zu entfliehen und einfach einen schönen Tag zu erleben. Das Team hier setzt alles daran, genau das zu ermöglichen. Für die Gäste, für mich. Alle helfen zusammen, damit sich jeder wohlfühlt, entspannt und gut aufgehoben ist.</p>



<p>Die Teamleiterin zeigt auf die Uhr – die ersten Gäste könnten gleich eintreffen. Jeder kennt seine Aufgabe, begibt sich in seinen Bereich. Maria, die heute das Kochen übernimmt, wirkt ein wenig verzagt. Sie ist eine freundliche, rüstige Pensionistin, die ihr Leben lang für ihre Familie gekocht hat. Das Menü steht fest: Gemüsesuppe, Zucchinilaibchen und Apfelmus als Dessert. Für eine so erfahrene Köchin eigentlich kein Problem. Doch hier müssen die Speisen leicht verdaulich und weich sein – eine Herausforderung, denn einige Gäste haben Schluckprobleme oder spezielle Ernährungswünsche. Maria schaut hilfesuchend zur Diätologin. „Ich weiß schon, wie man kocht. Aber wie bekomme ich Zucchinipuffer ohne Ei und Mehl hin?“ Gemeinsam inspizieren sie die Vorräte, um eine Lösung zu finden.</p>



<p>Schon kommen die ersten beiden Gäste zur Tür herein. Beide sind gut gelaunt und freuen sich auf eine Tasse Kaffee. Sie stellen sich lebhaft vor, lachen, erzählen. Es fühlt sich an, als wäre ich schon öfter hier gewesen – die entspannte Stimmung steckt an. Ich unterhalte mich gerne mit den Damen, fühle mich sofort wohl. Bald trifft auch die dritte Dame ein, und die Gruppe ist für heute vollständig.</p>



<p>Nach lockerer Unterhaltung beginnt um elf Uhr die Kunsttherapie. Das Thema: „Frühling“. Die Gäste fertigen Zeichnungen, Collagen oder Bastelarbeiten an. Ich sehe zu und freue mich über die positive Stimmung. Beim Arbeiten an den kleinen Kunstwerken entstehen immer wieder lebhafte Gespräche. Frau K malt eine Grußkarte mit einem niedlichen Hasen auf einer Blumenwiese. Sie hat ein kleines Büchlein mit Frühlingsgedanken dabei, wählt einen Spruch aus und schreibt ihn in wunderschöner Schrift auf ihr Kunstwerk. Frau M klebt Sticker auf ein Blatt – sie traut sich nicht zu zeichnen, aber das macht nichts. Jeder macht das, was ihm Freude bereitet. Am Ende hängen die Kunstwerke an der Pinwand, und alle betrachten sie zufrieden.</p>



<p>Schon ist es Zeit fürs Mittagessen. Wir starten mit einem Aperitif – ja, auch Alkohol ist erlaubt. Eierlikör ist eindeutig der Favorit. Es erinnert an ein lebhaftes Familientreffen im Restaurant. Die Gäste werden herzlich bewirtet, dürfen sich zurücklehnen und einfach nur genießen. Das Team gibt alles, um diese entspannte Stimmung so gut wie möglich zu fördern.</p>



<p>Nach dem gemeinsamen, lebhaften Mittagessen atmen alle tief durch. Frau K freut sich, dass sie Appetit hat. „Hier schaffe ich es sogar, alle drei Gänge zu essen“, sagt sie lächelnd. Für sie ist das ein positives Zeichen, eine Art Bestätigung, dass sie doch nicht so krank ist, wie sie manchmal denkt.</p>



<p>Nach dem Essen wird es ruhiger. Frau K legt sich für ein kleines Schläfchen hin, während die beiden anderen Damen gedämpft über ihre Krebserkrankung sprechen. Sie tauschen persönliche Erfahrungen aus, und ich höre aufmerksam zu. Sie bestärken sich gegenseitig, die Hoffnung nicht aufzugeben und die Zeit, die ihnen noch bleibt, bewusst zu genießen. „Mein Sohn sagte neulich, ich bin ein medizinisches Wunder“, erzählt Frau H stolz. „Keiner hat erwartet, dass ich so lange überleben würde. Aber ich habe es geschafft, weil ich so gekämpft habe.“</p>



<p>Ich bin tief berührt und demütig, dass ich an diesen Gesprächen teilhaben darf.</p>



<p>Gegen sechzehn Uhr ist mein Dienst zu Ende. Die Teamleiterin bittet mich noch in ihr Büro, um meine Eindrücke zu besprechen. Sie hört mir aufmerksam zu, und ich merke, dass mir das Tageshospiz durchaus liegen könnte. Ich habe das Bedürfnis, aktiv mitzuhelfen, was meinem Charakter entspricht. Hier ist der Tod nicht so präsent wie auf der Hospizstation. Ich verspreche, noch einen weiteren Probetag zu absolvieren. Ich möchte mir meine Entscheidung wirklich gut überlegen, um den Platz zu finden, der am besten zu mir passt – den Ort, an dem ich am sinnvollsten Zeit schenken kann.</p>
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		<title>Praktikum im Hospiz</title>
		<link>https://www.kirschhaeubchen.at/praktikum-im-hospiz/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kirschhaeubchen]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 15 Mar 2025 18:49:05 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Ehrenamt/Hospiz]]></category>
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					<description><![CDATA[Am 27. Jänner 2025 habe ich mein Zertifikat erhalten, das meine Eignung für die angestrebte Tätigkeit als ehrenamtliche Lebens-, Sterbe- und Trauerbegleiterin bestätigt. So weit die Theorie. Um jedoch tatsächlich in einem Hospiz arbeiten zu können, ist ein 40-stündiges Praktikum erforderlich. Ich habe intensiv darüber nachgedacht, ob ich dieses Praktikum auf später verschieben sollte. Auf [&#8230;]]]></description>
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<p>Am 27. Jänner 2025 habe ich mein Zertifikat erhalten, das meine Eignung für die angestrebte Tätigkeit als ehrenamtliche Lebens-, Sterbe- und Trauerbegleiterin bestätigt. So weit die Theorie. Um jedoch tatsächlich in einem Hospiz arbeiten zu können, ist ein 40-stündiges Praktikum erforderlich.</p>



<p>Ich habe intensiv darüber nachgedacht, ob ich dieses Praktikum auf später verschieben sollte. Auf einen Zeitpunkt, an dem ich nicht mehr 50 bis 60 Stunden pro Woche im Büro arbeite und weiter 10 Stunden für die Anfahrt aufwende. Mein Büroalltag ist mittlerweile so stressig und aufreibend geworden, dass ich es kaum noch bemerke. Mein Umfeld hingegen sieht das deutlich und fragt sich wahrscheinlich, ob ich wirklich glaube, jeden Tag aufs Neue die Welt retten zu müssen. Für einen Job, der letztendlich darauf abzielt, Geldwerte zu vermehren und verwalten.</p>



<p>Ich entscheide mich also bewusst dafür, sofort mit dem Praktikum zu beginnen. Gerade weil es einen wertvollen Kontrast zu meinem Beruf bietet. Ich möchte mich mehr auf die wahren Werte des Lebens konzentrieren, Sinn und Erfüllung finden, indem ich anderen Menschen in schwierigen Zeiten zur Seite stehe und echte zwischenmenschliche Verbindungen aufbaue.</p>



<p>Und dann ist er da, mein erster Tag im stationären Hospiz. Ich bin aufgeregt, unsicher, sehr still und empfinde große Ehrfurcht. Ich weiß noch nicht genau, wie ich mit dieser Situation umgehen soll. Ich betrete Neuland. Die Stationsleiterin nimmt mich in Empfang und begrüßt mich herzlich. Wir stehen in einem hellen, freundlichen Aufenthaltsraum, der mich gleichzeitig an Frühstückspension und Krankenhaus erinnert. Als erstes sticht mir eine Anrichte ins Auge. Darauf stehen eine große Kerze, ein aufgeschlagenes Fotoalbum und eine Vase mit Blumen. Im Album finde ich Nachrufe und Bilder der Verstorbenen. Die Station wurde erst im Herbst 2024 eröffnet worden und dennoch sind viele Bewohner bereits wieder verstorben. Es berührt mich sehr. Ich muss schlucken und weiß nicht, was ich sagen soll. Also nicke ich nur, bin betreten und sprachlos.</p>



<p>Wir setzen unseren Rundgang fort. Die Krankenschwestern, Ärztinnen und Pflegerinnen, denen wir begegnen, begrüßen mich herzlich. Ich bin willkommen, das fühlt sich gut an. Ich darf auch ein unbewohntes Zimmer besichtigen. Es ist geräumig und ansprechend, der Raum riecht noch ganz neu. Insgesamt gibt es 16 Betten auf der Station, aktuell sind acht belegt. Bald sollen es mehr werden. Einige Türen der aktuell belegten Zimmer sind geschlossen. Aber auch bei geöffneter Tür treten wir nicht ein, um die Privatsphäre der Bewohner zu respektieren.</p>



<p>Ich bemerke, dass meine Begleitung eigentlich Wichtigeres zu tun hätte. Sie übergibt mich an Maria, eine ehrenamtliche Mitarbeiterin mit zehn Jahren Erfahrung. Sie kennt die Station seit der Eröffnung, kennt auch die Bewohner. Mit ihr betrete ich das erste Zimmer, um „Hallo“ zu sagen. Die Bewohnerin schaut kurz auf und gibt uns zu verstehen, dass sie keine Gesellschaft möchte. „Wissen sie, ich habe schon so viel mitgemacht. Ich will einfach meine Ruhe“. Maria nimmt das gelassen hin, ich fühle mich unwohl. So, als hätte ich eine sehr persönliche Grenze überschritten</p>



<p>Auch im nächsten Zimmer werden wir abgewiesen, die Dame wirkt sogar etwas erschrocken. Ich drehe mich schnell um. Eigentlich möchte ich am liebsten wieder nach Hause gehen. Aber Maria beruhigt mich: „Das ist ganz normal. Jeder Einsatz ist anders. Mal gibt es Bedarf an Gesellschaft, mal eben nicht.“ Wir setzen uns dann zu Frau B, um ihr beim Essen Gesellschaft zu leisten. Sie freut sich sehr darüber und beginnt sofort zu erzählen. Sie spricht lebhaft über ihr Leben und wie wohl sie sich hier fühlt. Sie dachte immer, sie sei ein Einzelgänger, doch hier genießt sie die Gesellschaft und die Aufmerksamkeit.</p>



<p>„Ich habe ein schlechtes Gewissen, weil ich noch lebe und andere schon gestorben sind“, sagt sie nachdenklich. Sie erzählt auch, dass sie noch ein paar kurzärmelige T-Shirts braucht, da es jetzt so warm geworden ist und dass sie im Winter direkt vom Krankenhaus hierher kam – völlig unerwartet. In ein paar Tagen will sie sich für den Frühling einkleiden, sobald der kleine Modeladen im Erdgeschoss öffnet. „Und dann würde ich gerne Rummikub spielen. Zu dritt ist es viel lustiger als nur zu zweit“, sagt sie mit einem Lächeln.</p>



<p>Ich erfahre, dass Rummikub zur Grundausbildung von Ehrenamtlichen gehört und steige sofort ein. Natürlich gewinnt Frau B alle drei Spiele und ist zufrieden und vergnügt. Jetzt möchte sie sich im Zimmer ausruhen. Sie steht auf, reckt sich ein wenig und ihr Blick sucht nach ihrem Rollator. „Wissen Sie, ich habe zwei künstliche Hüften. Hoffentlich halten die noch!“, meint sie verschmitzt und verabschiedet sich herzlich. Ich bin nun wieder sprachlos, aber im positiven Sinne.</p>



<p>So viel Lebensfreude, so viel Energie. Ich habe viel gelernt heute. Mein Einsatz hier hat Sinn gemacht, hat Freude bereitet. Für diesen Nachmittag war das Hospiz kein Ort zum Sterben. Für diesen Nachmittag war es Frau Bs Zuhause, ihr Wohnzimmer, in dem ich Gast sein durfte.</p>



<p></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Selbsterfahrung Pflegehilfe</title>
		<link>https://www.kirschhaeubchen.at/selbsterfahrung-pflegehilfe/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kirschhaeubchen]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 26 Nov 2024 13:32:20 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Ehrenamt/Hospiz]]></category>
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					<description><![CDATA[Heute steht ein besonderes Modul im Rahmen meiner Ausbildung an. Für vier Stunden sollen wir im Caritas Campus, Am langen Felde in Kagran, Selbsterfahrung in der Pflegehilfe vermittelt bekommen. Mitzubringen wären bequeme Kleidung, trittfeste Schuhe, ein Becher Joghurt oder Pudding, ein kleines Handtuch und einen Löffel. Das klingt fürs erste spannend. Google Maps veranschlagt für [&#8230;]]]></description>
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<p>Heute steht ein besonderes Modul im Rahmen meiner Ausbildung an. Für vier Stunden sollen wir im Caritas Campus, Am langen Felde in Kagran, Selbsterfahrung in der Pflegehilfe vermittelt bekommen. Mitzubringen wären bequeme Kleidung, trittfeste Schuhe, ein Becher Joghurt oder Pudding, ein kleines Handtuch und einen Löffel. Das klingt fürs erste spannend.</p>



<p>Google Maps veranschlagt für die Fahrt zum Caritas Campus eine Fahrzeit von 23 Minuten. Leider weiß Google Maps gar nichts über den zähen Verkehr Ende November in der Wiener Innenstadt. Ich quäle mich zuerst über den Franz Josefs Kai, scheinbar haben jetzt alle Büroschluss. Es dauert ewig, bis ich auf die B8 gelange, über die Donau drüber ins Niemandsland. Der Caritas Campus liegt oder besser gesagt versteckt sich in einem riesigen neuen Wohnquartier, das es vor kurzem noch gar nicht gab. Alle Gebäudekomplexe sehen gleich aus und die Straßenbeleuchtung ist spärlich. Weit und breit ist niemand zu sehen, den man nach dem Weg fragen könnte. Hätte ich nicht ein paar andere herumirrende Kursteilnehmer getroffen, würde ich heute noch dort herumlaufen.</p>



<p>Irgendwie finden wir dann nach mehreren erfolglosen Versuchen den richtigen Eingang, eigentlich per Zufall. Alle sind genervt. Die Organisation des Kurses lässt manches Mal wirklich zu wünschen übrig. Auch unsere drei Vortragenden wirken hier verloren und meine Stimmung ist am Tiefpunkt. Es ist einer der Momente, wo ich mich ernsthaft frage, warum ich mir das antue. Ich stelle nicht den Sinn und Zweck der Ausbildung infrage. Es ist eher die logistische Herausforderung, die mir zu schaffen macht. Nach einem anstrengenden Bürotag noch quer durch Wien zu fahren, alles unter immensen Zeitdruck, das ist hart. Das habe ich eindeutig unterschätzt. </p>



<p>Ich atme kurz durch und beschließe, das Beste daraus zu machen. Ich bin im richtigen Vortragssaal, niemand ist an meiner schlechten Laune schuld. Ich konzentriere mich auf den ersten Vortrag: Hilfestellung bei der Ernährung und Mundpflege. Natürlich habe ich es nicht geschafft, einen Becher Joghurt zu besorgen. Ich habe schon kaum hierher gefunden und erst recht keinen Lebensmittelladen. Wir bilden Zweierteams und füttern uns gegenseitig statt mit Joghurt oder Pudding eben mit Wasser. Es ist eigenartig von einem doch fremden Menschen gefüttert zu werden. Es ist etwas sehr Intimes und ich merke, wie verletzlich und gleichzeitig abhängig ich mich dabei fühle. Es ist unangenehm, die Kontrolle über das Essen abgeben zu müssen. Wir tauschen die Rolle und ich füttere mein Gegenüber, das ganz bewusst sehr, sehr langsam schluckt. Ich merke sofort, wie schwierig es sein kann, Geduld aufzubringen und sich darauf einzustellen.</p>



<p>Im zweiten Teil geht es um die richtige Handhabung eines Rollstuhls. Wir suchen uns draußen in der kalten Finsternis die höchste Randsteinkante, die wir finden können und trainieren die Technik beim Überwinden des Höhenunterschiedes. Mit der Handhabung eines Rollstuhls habe ich schon einige Erfahrung. Meinen Bruder habe ich doch öfters begleitet. Es ist definitiv eine körperliche Herausforderung, denn Hindernisse gibt es viele. Unebene Oberflächen, Autos und andere Verkehrsteilnehmer. Es ist anstrengend, mir ist kalt, ich will wieder ins Klassenzimmer. </p>



<p>Im dritten und letzten Teil geht es um die Hilfestellung bei der Lagerung und Mobilisation. Wir helfen uns gegenseitig beim Aufstehen von einem Stuhl und wandern eingehakt im Vortragssaal herum. Das ist ein wenig mühsam und zu dieser späten Stunde denke ich ernsthaft über die Sinnhaftigkeit nach. Zu guter Letzt überziehen wir dann auch noch ein Krankenbett. Das ist der Zeitpunkt, an dem ich komplett aussteige. Mittlerweile sind wir alle schon müde und völlig unkonzentriert. Es ist einfach zu viel und wir sehnen nur mehr das Ende des Abends herbei. Als Belohnung erhält noch jeder Teilnehmer ein Stückchen Schokolade und ich flüchte in mein Auto. Bis ich zu Hause bin ist es 23:00 Uhr. I&#8217;m done!</p>



<p>Erst am nächsten Morgen denke ich darüber nach, was ich von diesem Vortragsabend für mich mitgenommen habe? In vier Stunden kann man Pflege weder vermitteln noch lernen. Das war bestenfalls ein Hineinschnuppern, um eine Idee davon zu bekommen. Mein Respekt und meine Hochachtung gelten allen, die einen pflegenden Beruf ausüben. Es ist eine immens verantwortungsvolle Aufgabe, die Geduld, Empathie und Fachwissen erfordert. Ich bin dankbar dafür, dass sich Menschen finden, die das aus Überzeugung und mit Hingabe tun. Ich hoffe sehr, dass ich dann in der Praxis die Gelegenheit habe, mir einige dieser Fertigkeiten anzueignen. </p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Motivation für ein Ehrenamt</title>
		<link>https://www.kirschhaeubchen.at/motivation-fuer-ein-ehrenamt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kirschhaeubchen]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 12 Oct 2024 04:30:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Ehrenamt/Hospiz]]></category>
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					<description><![CDATA[Der frühe Tod meiner Tochter und die damit verbundenen tiefen Einschnitte in meinem Leben haben mich dazu gebracht, mich intensiver mit dem Thema Sterben auseinanderzusetzen. Wir haben während Kathis Krankheit so viel Unterstützung erfahren, nicht nur von Ärzten und Pflegefachkräften. Kathis Freundeskreis, eigentlich ihr gesamtes Umfeld, ist beherzt eingesprungen und hat bedingungslos die so wichtige [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Der frühe Tod meiner Tochter und die damit verbundenen tiefen Einschnitte in meinem Leben haben mich dazu gebracht, mich intensiver mit dem Thema Sterben auseinanderzusetzen. Wir haben während Kathis Krankheit so viel Unterstützung erfahren, nicht nur von Ärzten und Pflegefachkräften. Kathis Freundeskreis, eigentlich ihr gesamtes Umfeld, ist beherzt eingesprungen und hat bedingungslos die so wichtige mentale Betreuung übernommen. Dafür werde ich immer dankbar sein. Um von diesen Hilfestellungen etwas zurückzugeben, etwas gutzumachen, habe ich mich entschieden, den Einführungskurs für Lebens-, Sterbe- und Trauerbegleitung in einer karitativen Einrichtung zu besuchen. Ich möchte für mich abstecken, inwieweit ich in der Lage bin, mir fremden Menschen Unterstützung, in welcher Form auch immer anzubieten. Denn Sterben und Abschiednehmen ist Schwerstarbeit für denjenigen, der geht. Für die Familienangehörigen und Freunde gilt es dann, mit dem Verlust zurechtzukommen. Da braucht es viele mitfühlende Begleiter. Begleiter, die zuhören können, die gemeinsam schweigen können, gemeinsam lachen können, die zur Seite stehen und das Loslassen aushalten, wenn es so weit ist. Es ist offensichtlich, dass dieser Bedarf nicht alleine durch Pflegefachkräfte gedeckt werden kann. Der Einsatz und die Hilfe von Ehrenamtlichen, die sich in den Dienst der Gemeinschaft stellen, sind hier unbedingt notwendig. Ohne sie würde die Idee der Hospizbewegung nicht funktionieren.</p>



<p><em>Das Wort „Hospiz“ leitet sich vom lateinischen Wort &#8222;hospes&#8220;ab, das sowohl „Gast“ als auch „Gastgeber“ bedeutet. Der Begriff Hospiz stammt aus dem 11. Jahrhundert und bezeichnet einen Ort der Gastfreundschaft nicht nur für Reisende und Pilger, sondern auch für Kranke und Sterbende. Es mag zwar schockieren, aber das Hospiz ist ein Ort, an dem Menschen sterben. Seinen Ausgang nahm die Hospizbewegung in England. Cicely Saunders eröffnete in den 1960er-Jahren das erste Haus für Sterbende und deren Angehörige. Sie gilt somit als Gründerin der Hospizbewegung. Cicely Saunders ging es darum, Menschen bis zum letzten Atemzug ein würdevolles Leben zu ermöglichen. Ihre Idee verbreitete sich weltweit und hat dazu beigetragen, dass sich der Umgang mit dem Tod und dem Sterben in unserer heutigen Welt radikal verändert hat</em>.</p>



<p>Nach reiflicher Überlegung habe ich mich also angemeldet, meine Kursgebühr von 830 Euro einbezahlt und die Einladung zur Kennenlernrunde wahrgenommen. Wir treffen in einem großen Vortragssaal im Kardinal König Haus aufeinander. Ungefähr 60 potenzielle Ehrenamtliche, der Großteil davon sind Frauen im Best-Ager-Alter. Wir bilden einen Sesselkreis, vier weibliche Vortragende sitzen uns gegenüber. Die Stimmung empfinde ich als etwas verhalten. So als wäre Heiterkeit oder selbst ein Lächeln nicht angebracht. Ich bin angespannt und dennoch neugierig, was auf mich zukommt. Zum Wohlfühlen reicht es allerdings nicht aus. Unsere Kursleiterinnen stellen sich der Reihe nach vor und wir erfahren einiges über ihren Hintergrund, ihren Werdegang und ihre Motivation, diese Ausbildung zu leiten.</p>



<p>Zur Einführung erklärt uns eine der Vortragenden, welche Bedeutung die Teilnahme an diesem Einführungskurs für uns hat und was dabei vermittelt werden soll. Es ist ein Kennenlernen der Hospizbewegung und ihrer Grundelemente und gibt uns eine Einführung in die Begleitung schwer kranker Menschen und deren Angehörigen. Es soll eine Entscheidungshilfe für weitere Schulungen sein und sich für jeden von uns persönlich klären, ob wir letztendlich ehrenamtlich in der Hospizarbeit oder Palliativ Care tätig sein möchten. Der Kurs erstreckt sich über einen Zeitraum von ungefähr drei Monaten und endet mit einem Einführungspraktikum unserer Wahl. Danach erhalten wir auch entsprechendes Zertifikat, das bestätigen soll, dass wir künftig in der Lage sind, Menschen mit ihren Bedürfnissen in der letzten Lebensphase wahrzunehmen und liebevoll zu begleiten.</p>



<p>Ebenso werden wir darauf hingewiesen, was wir uns nicht erwarten dürfen. Dieser Kurs ersetzt keine Berufsausbildung. Ehrenamtliche sind keine ausgebildeten Pflegefachkräfte. Wir befinden uns auch nicht in einer Therapiegruppe oder in einem Selbsterfahrungsseminar. Obwohl ich mir sicher bin, dass wir viele Erkenntnisse für uns gewinnen werden und uns selbst in ungewohnten Situationen neu „erfahren“ werden. Es handelt sich auch um keine Trauergruppe, um eigene Verluste aufzuarbeiten, obwohl wir das tun werden. Niemand ist zufällig hier gelandet. Von uns Teilnehmern wird aktives Einbringen erwartet, um zu einem nachhaltigen Gelingen beizutragen. Der Kurs lebt vom Einlassen auf ein schwieriges Thema, das in unserer schnelllebigen Welt noch viel zu oft tabuisiert wird.</p>



<p>Mit all dem Gehörten werden wir nun nochmals aufgefordert, darüber nachzudenken, ob man sich tatsächlich auf eine weitere Teilnahme einlassen möchte. Wir dürfen eine Nacht darüber schlafen. Denn noch haben wir die Gelegenheit, den Kursbesuch auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben. Es ist auch völlig akzeptabel festzustellen, dass wir hier nicht richtig sind.</p>



<p>Im zweiten Teil des Abends geht es um ein langsames Kennenlernen innerhalb der großen Gruppe. Wir bekommen Fragen gestellt, dürfen uns endlich von den Sesseln erheben und uns im Raum verteilen. Wir finden uns nach Wohnorten zusammen. Wer lebt in Wien, in welchem Bezirk? Wer ist aus Niederösterreich, wer aus dem Burgenland? Schnell entsteht eine gewisse Dynamik, die ersten Anknüpfungspunkte werden gesucht. Die Atmosphäre entspannt sich merklich. Die Fragen werden intensiver, nähern sich mehr dem Thema des Kurses an. Wer hatte schon Berührung mit dem Tod? Wer hat selbst einen geliebten Menschen verloren? Wer hatte bisher keine Berührungspunkte?</p>



<p>Die letzte Frage überrascht mich persönlich am meisten. Wir werden gefragt, wie wir gerne sterben möchten. Ob es plötzlich und unerwartet geschehen soll, etwa bei einem Unfall. Ob wir uns wünschen, uns durch eine längere Krankheit darauf vorbereiten zu können. Ob wir nach einem erfüllten Leben durch einen natürlichen Tod gehen möchten. Oder ob wir gar nicht darüber nachdenken wollen, nach dem Motto „Sterben ist nichts für mich!“ Ganz spontan, ohne auch nur eine Sekunde zu überlegen, entscheide ich mich für die letzte der vier Wahlmöglichkeiten. Das hätte ich nicht gedacht! Scheint doch noch ein Selbsterfahrungsseminar zu werden.</p>



<p>Ich habe eine Nacht darüber geschlafen. Der erste Abend hat mich gefordert, viele meiner Gedanken in Bewegung gesetzt. Aber auf keine unangenehme Weise. Am nächsten Morgen habe ich meine Teilnahme bestätigt, ich bleibe bei meinem Entschluss. Ich habe nur darum gebeten, die Gruppe wechseln zu dürfen. Nach unserem ersten Kennenlernen weiß ich bereits, mit welchen Teilnehmern ich gerne weiter machen möchte. Und ich freue mich darauf!</p>



<p></p>
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