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	<title>Gespräche &#8211; Kirschhäubchen</title>
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	<title>Gespräche &#8211; Kirschhäubchen</title>
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		<title>Gespräch mit Petra &#8211; Teil 2</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Kirschhaeubchen]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 27 Feb 2025 11:46:38 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gespräche]]></category>
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					<description><![CDATA[Eine Krebserkrankung betrifft nicht nur den Körper, sondern hat auch tiefgreifende psychische Auswirkungen auf die Betroffenen. So erging es auch Petra. Die Frage, wie ihr Leben weiter gehen soll, waren eine starke emotionale Belastung für sie. Auch heute noch ist nicht vollständig darüber hinweg. Auf dieses Thema wollen wir im zweiten Teil unseres Gesprächs eingehen. [&#8230;]]]></description>
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<p>Eine Krebserkrankung betrifft nicht nur den Körper, sondern hat auch tiefgreifende psychische Auswirkungen auf die Betroffenen. So erging es auch Petra. Die Frage, wie ihr Leben weiter gehen soll, waren eine starke emotionale Belastung für sie. Auch heute noch ist nicht vollständig darüber hinweg. Auf dieses Thema wollen wir im zweiten Teil unseres Gesprächs eingehen.</p>



<p><strong><em>Wie ging es dir psychisch während dieser Zeit?</em></strong></p>



<p>Ganz ehrlich, mir ging es über lange Strecken richtig schlecht. Schon während meiner Zeit im Krankenhaus wurde ich für drei Wochen auf die psychosomatische Station verlegt. Ich hatte so Angst davor, wie ich mein Leben meistern sollte. Ich litt unter heftigen Panikattacken, es war schrecklich.</p>



<p><strong><em>Also hat dir der Aufenthalt auf der psychosomatischen Station geholfen?</em></strong></p>



<p>Kurzfristig hat es das ganz bestimmt. Es war auch die Zeit, als Corona unser aller Leben verändert hat. Das hektische Treiben hörte für alle irgendwie auf. Der Druck von draußen viel weg, der von mir verlangte, das Leben wieder aufzunehmen. Irgendwie war es eine schöne Zeit, alles kam zur Ruhe. Das ganze Leben spielte sich zu Hause ab. Für mich war es eine Wohltat.</p>



<p><strong><em>Ich kann mich erinnern, du warst doch auf Kur?</em></strong></p>



<p>Das ist richtig. Ich bekam einen dreiwöchigen Aufenthalt in Bad Erlach bewilligt. Diese Kur nennt sich „onkologische Rehabilitation“, die im Anschluss oder während einer Krebstherapie möglich ist. Sie soll helfen, die physischen und psychischen Spuren zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern. Gesundheit und Aktivität sollen so weit wie möglich wiederhergestellt werden.</p>



<p><strong><em>Wie ging es dir dort? Welche Erinnerungen hast du daran?</em></strong></p>



<p>Ich war Teil einer sechsköpfigen Gruppe. Man hat uns zwar zufällig zusammengewürfelt, aber uns verband dasselbe Schicksal, der Krebs. Es tat gut, sich mit diesen Menschen auszutauschen. Es ist so schwer, seine Gefühle mit jemanden zu teilen, dessen Leben nicht bedroht ist. Der gesund ist und nicht nachvollziehen kann, was in einem vorgeht, wenn sich das schlagartig ändert. Wir waren binnen kürzester Zeit eine Schicksalsgemeinschaft, wurden zu Freunden, zur Familie. Wir konnten über alles reden, ohne Hemmungen jemanden zu viel zuzumuten. Durch diesen Austausch habe ich überhaupt erst realisiert, wie schlimm eine Krebserkrankung ist. Vier aus unserer Sechsergruppe leben heute nicht mehr. Ich bin eine der Überlebenden. Ich kann das oft gar nicht begreifen. Warum ich, wer legt das fest? Ich finde keine Antwort darauf.</p>



<p><strong><em>War dein Aufenthalt der Abschluss deiner Krebsbehandlung?</em></strong></p>



<p>Nicht ganz. Nach der Reha folgte die Antikörpertherapie, die sich über ein ganzes Jahr erstreckte. Nach meiner letzten Behandlung wurde ich dann endgültig aus der Onkologie entlassen. Ich fiel danach abermals ein richtig tiefes Loch. Ich hatte nichts mehr zu tun, meine Liste war abgearbeitet. Wir kümmern uns jetzt nicht mehr länger um dich, geh und mach dein eigenes Ding! Du gehörst hier nicht her. Es überschattet die gute Nachricht, dass du nun geheilt bist. Es kam einfach keine Freude auf. Ich weiß, ich sollte dankbar sein. Und ich war es aber nicht.</p>



<p><strong><em>Wie konntest du deinen Beruf mit Krebs und den damit verbundenen Behandlungen vereinbaren?</em></strong></p>



<p>Es war ganz schnell klar, dass ich eine 40 Stunden Woche als zahnärztliche Assistentin nicht mehr schaffen würde. Ich hatte ein Gespräch mit meinem Chef und wir haben uns einvernehmlich getrennt. Dankenswerterweise gab er mir das Versprechen, ich könnte jederzeit zurückkommen, sobald ich mich dazu in der Lage fühlte. Ich weiß aber für mich, das ist endgültig vorbei. Trotz des Wegfalls eines gesicherten Einkommens war für mich die Aussicht auf ein Leben ohne Druck und Verpflichtungen die einzige Option. Ich konnte nicht anders.</p>



<p><strong><em>Wie hat sich dein Leben sonst noch verändert?</em></strong></p>



<p>Ich habe durch die Erkrankung die Liebe zur Natur entdeckt. Ich habe die heilsame Wirkung von langen Spaziergängen für mich erkannt. Das wäre vor der Krankheit für mich undenkbar gewesen. Spaziergänge, wohlgemerkt kurze, kamen für mich nur in Fragen, wenn es Schaufenster zu sehen gab. Generell lebe ich jetzt intensiver, bewusster. Mein Freundeskreis hat sich nicht verändert, ich hatte schon immer die richtigen Menschen an meiner Seite und sie zum Glück auch behalten. Neben meiner Schwester waren meine Freunde meine große Stütze. Das ging sogar so weit, dass sie mich finanziell unterstützt haben. Ich sollte mich ganz und gar meiner Genesung widmen. Dafür werde ich ihnen immer dankbar sein.</p>



<p><strong><em>Wie geht es dir jetzt Petra?</em></strong></p>



<p>Körperlich fühle ich mich gut, aber meine Seele hat sich noch nicht ganz erholt. Ich kämpfe streckenweise mit Antriebslosigkeit, komme oft nicht aus dem Bett. Das Leben erscheint mir an solchen Tagen völlig sinnlos. Ich bin ängstlich, finde keine Freude und habe Panikattacken. Abhilfe kann ich nur schaffen, indem ich lange schlafe. Aber ich lerne immer besser, damit umzugehen. Mittlerweile kann ich die Panik weg atmen. Ich arbeite an mir und kämpfe mich Schritt für Schritt weiter. Am besten helfen mir jedoch die Gespräche mit meiner Schwester. Sie ist mir hier die größte Stütze. Sie gibt mir die Stärke, die mir fehlt. Sie beruhigt mich und gibt mir die Zuversicht, dass alles gut wird.</p>



<p><strong><em>Du hast doch eine Ausbildung zur Kosmetikerin gemacht?</em></strong></p>



<p>Das ist richtig. Ich habe mich mit Feuereifer in meine Ausbildung gestürzt. Es ist so wichtig, einen Plan zu haben. Mit dieser Ausbildung habe ich etwas gefunden, das mich richtig motiviert. Leider habe ich nun Schwierigkeiten mit der Gewerbebewilligung. Wenn sich dann etwas nicht so entwickelt, wie ich das erhofft habe, zieht mich das sofort wieder runter. Da kann ich mich noch viel zu wenig schützen. Ich zweifle an mir, ob ich das überhaupt kann und stelle alles infrage. Ich brauche eindeutig eine sinnhafte Beschäftigung! Früher, als zahnärztliche Assistentin, konnte ich die Menschen von ihren Zahnschmerzen befreien. Das hat Sinn gemacht! Und da muss ich wieder hin. Das weiß ich.</p>



<p><strong><em>Petra, was ist dein Plan? Wo stehst du in drei Jahren?</em></strong></p>



<p>Ich möchte nicht traurig sein und nicht hadern. Meine Leichtigkeit ist verschwunden, aber ich habe immer noch so viel Freude am Leben. Ich schaffe das mit der Gewerbeberechtigung, ich weiß das. Mein eigenes Studio wird ein Erfolg. Ich kann dann selbstbestimmt arbeiten. In meinem Tempo, in meiner Intensität. Und ganz bald werde ich einen Mitbewohner haben – Pauli, meinen Hund! Darauf freue ich mich ganz besonders!</p>
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		<title>Gespräch mit Petra &#8211; Teil 1</title>
		<link>https://www.kirschhaeubchen.at/gespraech-mit-petra/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kirschhaeubchen]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 11 Feb 2025 19:41:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gespräche]]></category>
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					<description><![CDATA[Brustkrebs kann jede Frau treffen. Was es dafür braucht, ist lediglich eine Zellveränderung des Brustdrüsengewebes. Ursprünglich gesunde Zellen wachsen unkontrolliert, breiten sich aus und bilden schließlich einen Knoten, respektive Tumor, in der Brust. Dank intensiver Forschung, ständigen Entwicklungen und Fortschritten in der Therapie haben sich die Überlebenschancen von Betroffenen deutlich verbessert und liegen heute bei [&#8230;]]]></description>
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<p>Brustkrebs kann jede Frau treffen. Was es dafür braucht, ist lediglich eine Zellveränderung des Brustdrüsengewebes. Ursprünglich gesunde Zellen wachsen unkontrolliert, breiten sich aus und bilden schließlich einen Knoten, respektive Tumor, in der Brust. Dank intensiver Forschung, ständigen Entwicklungen und Fortschritten in der Therapie haben sich die Überlebenschancen von Betroffenen deutlich verbessert und liegen heute bei 83%. Soweit, so gut. Aber was heißt das für den einzelnen Betroffenen, was sagt das über sein Schicksal aus?</p>



<p>Ich unterhalte mich heute mit Petra. Sie ist eine der derjenigen, die plötzlich mit der Diagnose Brustkrebs konfrontiert war. Ihre ganz persönliche Geschichte zeigt auf, dass keine Frau auch nur ansatzweise auf einen solch dramatischen Einschnitt im Leben vorbereitet ist. Petra ist 2018 erkrankt und hat dem Krebs die Stirn geboten. Heute, nach mehr als sechs Jahren, spricht sie mit mir über diese herausfordernde Zeit.</p>



<p><strong><em>Petra, wie hast du überhaupt erkannt, dass du Krebs hast?</em></strong></p>



<p>Ich lag, wie so jeden Tag nach dem Aufwachen im Bett, habe meine WhatsApp Nachrichten durchgescrollt und dabei fiel mir plötzlich mein Handy auf die Brust. Es tat ungewöhnlich weh und ich tastete vorsichtig die schmerzende Stelle ab. Dabei entdeckte ich in der linken Brust einen Knoten. Ich bin jetzt keine Dramaqueen und auch nicht hysterisch, habe das fürs erste überhaupt nicht ernst genommen. Später, als ich die Begebenheit zwei Freunden erzählt habe, begann ich langsam zu realisieren, was das womöglich bedeuten könnte: „Habe ich tatsächlich Krebs?“ Im nächsten Moment fasste ich einen spontanen Entschluss. Sollte es tatsächlich so sein, würde ich mich keiner Chemotherapie unterziehen! Das mag jetzt merkwürdig klingen, wo doch die Heilungschancen bekannterweise sehr gut sind. Aber, zur selben Zeit durchlief gerade mein Chef mit Bauchspeicheldrüsenkrebs eine Chemotherapie. Ich habe miterlebt, wie er von einer Behandlung zur nächsten schwächer wurde und wie sehr er darunter gelitten hat. Er hat es letztendlich nicht überlebt. Für mich hat sich der Eindruck eingeprägt, Chemotherapie lässt dich leiden und am Ende hilft es ja doch nichts. Diese Erfahrungen waren für mich so abschreckend und prägend, dass ich eine Behandlung für mich ausgeschlossen habe.</p>



<p><strong><em>Was hat dich dann bewogen, deine Meinung zu ändern?</em></strong></p>



<p>Ich war völlig durcheinander, konnte keinen klaren Gedanken fassen, das Ausmaß der Situation gar nicht abschätzen. Eigentlich habe ich überhaupt nicht begriffen, was hier vor sich geht. Totales Chaos. Totale Panik. Aber was hilft das schon. Also versuchte ich Struktur in meine Gedanken zu bringen. Ich vereinbarte einen Termin für eine Mammographie, das erschien mir als der erste logische Schritt. Und wie zu befürchten war, bestätigte mir der Radiologe gleich nach der Untersuchung, dass alles auf Brustkrebs hindeutet. Natürlich müsste ich noch zur Biopsie, um weitere Klarheit zu gewinnen. Aber die Diagnose schien mehr oder weniger bestätigt. Mit einem gutgemeinten: „Sie sollten jetzt, aufgrund der psychischen Belastung, besser nicht mit dem Auto fahren“, wurde ich auch schon wieder entlassen.</p>



<p>Ich bin dann doch gefahren, meinte natürlich, ich habe die Situation im Griff. Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, dass ich zu Hause auf der Terrasse stundenlang Löcher in die Luft gestarrt habe. Ich konnte mich nicht bewegen, war in völliger Schockstarre. </p>



<p><strong><em>Hast du dich jemanden anvertraut? Ich kann mir vorstellen, dass du erst völlig überfordert warst.</em></strong></p>



<p>Das war ich auch. Heute kann ich sagen, dass ich vieles gar nicht wahrgenommen habe. Auch wenn ich jetzt versuche, meine Erinnerungen zusammenzutragen, schaffe ich nicht jedes Einzelteilchen. Vorerst habe ich es niemandem erzählt. Nicht einmal Claudia, meiner Schwester, habe ich angerufen. Ich wollte einen Befund in den Händen halten, es schwarz auf weiß haben. Was, wenn es doch eine Fehldiagnose ist? Ich habe mich davor gescheut, meine Familie und meine Freunde zu beunruhigen. Leider bestätigte die Biopsie die Diagnose des Radiologen. Der Tumor zeigte sich klar abgegrenzt, eine Operation versprach gute Chancen. Erst hatte ich noch gehofft, ohne Chemotherapie auszukommen. Aber das war mehr Wunschdenken. Man geht wohl zu naiv an die Sache heran. Mein behandelnder Arzt stellte einen Therapieplan auf. Zehn Einheiten Chemotherapie, dann die operative Entfernung des Tumors und der Lymphknoten, anschließend Bestrahlungen. Sollte das alles gut verlaufen, folgt für ein weiteres Jahr eine Antikörpertherapie, die dafür sorgen soll, dass der Krebs nachhaltig verschwindet.</p>



<p><strong><em>Wie ging es dir während der Chemotherapie?</em></strong></p>



<p>Ehrlich gesagt war es wirklich übel. Mir ging es damit so schlecht, dass ich zwei Behandlungen auslassen musste. Mein Körper spielte völlig verrückt. Gott sei Dank zeigte die Therapie aber Wirkung und der Tumor verkleinerte sich. Die Chancen standen gut, dass ich meine Brust behalten würde. Das war für mich der Preis, den ich gerne bezahlen wollte. Die Operation verlief dann auch problemlos. Es wurden, wie besprochen, die Lymphknoten entfernt, um weitere Metastasen auszuschließen. Mir ging es eigentlich gut danach, ich fasste wieder Mut. Das Setzen des Port A Kaths war für mich wesentlich schlimmer gewesen. Aber diesen Zugang benötigte ich für die nachfolgenden Behandlungen.</p>



<p><strong><em>Wie ginge es dann weiter, wann hast du mit der Bestrahlung begonnen?</em></strong></p>



<p>Zuerst einmal musste die Operationswunde gut verheilen, bevor ich mit der ersten von zwanzig verordneten Bestrahlungen starten konnte. Voll motiviert begab ich mich ins Krankenhaus, in der Meinung, das Schlimmste hätte ich bereits hinter mir. Leider lag ich völlig falsch. Ich war ein körperliches Wrack, schon nach den ersten Behandlungen. Die Chemotherapie war schon schlimm, aber das hier übertraf es noch. Ich merke gerade, was die Erinnerung und das Erzählen davon mit mir macht!</p>



<p><strong><em>Ich wollt dir kein schlechtes Gefühl geben, tut mir leid. Möchtest du eine Pause?</em></strong></p>



<p>Alles gut, ich habe ja nicht nur negative Erinnerungen an diese Zeit. Eine Erinnerung, die ich noch lebhaft vor Augen habe, sind die Fahrten ins Krankenhaus zu den Behandlungen. Die Krankenkasse bewilligt mir einen Fahrtendienst und ich hatte das Glück, immer mit demselben Fahrer unterwegs zu sein. Zwischen uns hat sich eine Vertrautheit entwickelt, die mir in meiner Situation so gutgetan hat. Man ist so hungrig nach Menschlichkeit, Anteilnahme, Verständnis und Trost und findet sie dann ausgerechnet bei einem Taxifahrer.</p>



<p><strong><em>Wer war denn dein engster Begleiter während dieser Zeit?</em></strong></p>



<p>Meine Vertrauens- und Krisenperson war eindeutig meine Schwester Claudia. Ohne sie hätte ich das Ganze nicht durchgestanden. Meine Mutter war mit der Situation vollkommen überfordert. Und es ist so wichtig, dass jemand die Übersicht behält und nicht die Nerven verliert. Ich war ohnehin völlig durch den Wind, wenn ich nicht gerade mit Behandlungen beschäftigt war. Solange ich meinen Therapieplan abarbeiten konnte, war alles gut. Ich folgte strikt den Anweisungen. Das Krankenhausteam gab mir die Richtung vor, der ich blind gefolgt bin. Ich gab mich völlig in ihre Hände und fühlte mich verstanden und gut aufgehoben. Ich hatte grenzenloses Vertrauen.</p>



<p><strong><em>Als du dann mit den Behandlungen durch warst, wie ging es dir da? Kam die große Erleichterung, es geschafft zu haben?</em></strong></p>



<p>Nein, leider, das habe ich so nicht empfunden. Ich muss sagen, dass ich den Boden unter den Füßen verloren habe, als das alles zu Ende war. Ich fühlte mich verstoßen aus einem Bereich, in dem ich Sicherheit gefunden hatte. Ich durfte nicht einmal zur Nachbehandlung mehr ins Krankenhaus. Ich sollte mich künftig mit allem an meinen Hausarzt wenden. Ich glaube, genau diese Situation hat mich nachhaltig psychisch komplett aus der Bahn geworfen. Man würde doch eher annehmen, dass ich es kaum erwarten konnte, endlich als geheilt entlassen zu werden. Aber für mich hätte es so weitergehen können. Ich weiß, es klingt absurd, aber genauso hatte ich es empfunden.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Gespräch mit Marianne &#8211; Teil 2</title>
		<link>https://www.kirschhaeubchen.at/gespraech-mit-marianne-teil-2/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kirschhaeubchen]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 16 Nov 2024 19:21:09 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gespräche]]></category>
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					<description><![CDATA[Marianne und ich setzen unser Gespräch fort. Mich interessiert vor allem, wie sie es geschafft hat, die tiefe Trauer zu überwinden und wieder positiv und zuversichtlich durchs Leben zu gehen. Wie war die Zeit unmittelbar nach Gerhards Tod für dich? Was ist dir davon noch in Erinnerung? Gleich nach Gerhards Tod war ich sehr beschäftigt. [&#8230;]]]></description>
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<p>Marianne und ich setzen unser Gespräch fort. Mich interessiert vor allem, wie sie es geschafft hat, die tiefe Trauer zu überwinden und wieder positiv und zuversichtlich durchs Leben zu gehen. </p>



<p>Wie war die Zeit unmittelbar nach Gerhards Tod für dich? Was ist dir davon noch in Erinnerung?</p>



<p><em>Gleich nach Gerhards Tod war ich sehr beschäftigt. Man nimmt die Realität gar nicht so wahr, weil man so viel zu erledigen hat. Ich habe einwandfrei funktioniert. Ich organisierte sein Begräbnis, versuchte es nach seinen Wünschen auszurichten. In der Kirche hatten wir eine Leinwand aufgebaut und Gerhards Leben in Bildern vorüberziehen lassen. Wir haben seine Lieblingsmusik gespielt und enge Freunde hielten Trauerreden. Es war eine schöne Feier und ich erinnere mich heute noch gerne daran. Aber irgendwann ist alles getan. Und dann wird es ruhig, dann tut es weh. Man spürt die Leere und die Einsamkeit. Gerhard und ich haben immer viel miteinander gesprochen, wir haben damit alle Probleme gelöst, uns über alles verständigt. Aber dann war da niemand mehr, der Antwort geben konnte.</em></p>



<p>Was würdest du jemanden mitgeben wollen, der mit dem Verlust eines geliebten Menschen zurechtkommen muss?</p>



<p><em>Wir hatten Gott sei Dank Zeit, um voneinander Abschied zu nehmen. Wir wussten, worauf wir uns einzustellen hatten. Ich glaube, dass die Bindung bis zum Schluss das Wichtigste ist. Viel wichtiger als jede hoch entwickelte Medizin. Sterben und dabei begleiten ist nichts für Feiglinge. Du kannst dich nicht entziehen. Irgendwann bist auch du an der Reihe, bist involviert oder vielleicht selbst betroffen. Man muss die Zeit nutzen, die man hat. Muss kreativ bleiben, interessiert sein. Man muss leben! Mit aller Kraft.</em> <em>Aus meiner Praxis und den Gesprächen mit Patienten weiß ich, dass die Trauer am schwierigsten ist, bis man endlich akzeptiert, was passiert ist. Wenn ich es annehmen kann, wenn die Wut und die Verdrängung vorbei sind. Dann kann ich mir Gedanken machen, was brauche ich jetzt, was lässt mich lebendig sein.</em></p>



<p>Könntest du sagen, welche Phasen du in der Trauerbewältigung durchlaufen hast? Wann du gemerkt hast, dass es eine Weiterentwicklung gibt?</p>



<p><em>Ich glaube, mein Zustand nach Gerhards Tod lässt sich nicht konkret in verschiedene Abschnitte einteilen. Die Trauer kommt und geht, folgt keinem Schema. Ich weiß nur, dass ich anfangs an starken körperlichen Schmerzen litt. Ich verlor an Gewicht und war psychisch schwer angeschlagen. Im zweiten Jahr nach seinem Tod stellte sich für mich die Frage nach dem Sinn. Was ist jetzt wichtig? Irgendwo öffnete sich ein Entwicklungsfenster. Mir wurde klar, dass meine Kinder eine gesunde Mutter brauchen, wenn sie schon keinen Vater mehr haben. Eine Mutter, die nicht nur klagt und jammert.</em></p>



<p>Was hast du unternommen, um dich wieder besser zu fühlen? </p>



<p><em>Ich war viel in der Natur. Bei meinen Spaziergängen im Wald fand ich die nötige Ruhe. Ich hörte dabei Musik und achtete bewusst darauf, was mir guttut. Eigentlich habe ich nur das fortgesetzt, was wir beide gerne gemeinsam gemacht haben. Ich bin viele Kilometer gelaufen, aber eben ohne Gerhard. Im nächsten Schritt habe ich aktiv mein soziales Umfeld wieder in mein Leben gelassen. Ich habe aufgemacht und Menschen um mich herum zugelassen. Ich habe neue Interessen entdeckt, die Genussfähigkeit wiedergefunden, ohne dabei schlechtes Gewissen zu haben. Denn die Seele muss wieder berührt werden!</em></p>



<p>So, wie du das erzählst, klingt es unheimlich tröstlich und motivierend. Kann man gleichzeitig trauern und Glück empfinden?</p>



<p><em>Es ist ein großer Zwiespalt, wenn die Trauer um den Partner noch so präsent ist. Ich stellte mir die Frage: „Darf ich wieder glücklich sein?“ Ich glaube, es gibt kein entweder oder. Es muss beides gleichzeitig möglich sein. Und die Erlaubnis dazu kann man sich nur selbst geben. Auch die Offenheit, einen neuen Menschen, einen neuen Partner zuzulassen. Gerhard bleibt immer bei mir, begleitet mich durchs Leben. Er gibt mir Stärke, hat seinen festen Platz in meinem Herzen. Egal, wer dazu kommt. Manchmal habe ich Angst, dass die Erinnerungen verblassen. Ich möchte das nicht zulassen. Aber diese Angst darf einen nicht runterziehen. Wir brauchen Mut und wir brauchen Arbeitsaufgaben. Wir müssen dort hinschauen, wo es wehtut. Uns dann wieder aufrichten und Glück zulassen.</em></p>



<p>Vielen Dank Marianne für deine Offenheit und deine Gedanken. Ich bin mir sicher, du gibst damit vielen Betroffenen Zuversicht!</p>



<p></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Gespräch mit Marianne &#8211; Teil 1</title>
		<link>https://www.kirschhaeubchen.at/gespraech-mit-marianne-teil-1/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kirschhaeubchen]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 14 Nov 2024 15:38:29 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gespräche]]></category>
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					<description><![CDATA[Marianne und mich verbindet eine langjährige Freundschaft. Wir teilen wunderschöne und vor allem lustige gemeinsame Erinnerungen, haben aber auch schwere Krisenzeiten miteinander durchgestanden. Marianne hat vor zwei Jahren ihren Ehemann verloren, den sie während seiner Krankheit zu Hause betreut hat. Während wir uns an unserem Lieblingsplatz in Mariannes Küche unterhalten, läuft auf Ö3 „Heast das [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Marianne und mich verbindet eine langjährige Freundschaft. Wir teilen wunderschöne und vor allem lustige gemeinsame Erinnerungen, haben aber auch schwere Krisenzeiten miteinander durchgestanden. Marianne hat vor zwei Jahren ihren Ehemann verloren, den sie während seiner Krankheit zu Hause betreut hat. Während wir uns an unserem Lieblingsplatz in Mariannes Küche unterhalten, läuft auf Ö3 „Heast das ned“ von Hubert von Goisern. Wir halten beide inne und hören einen Moment lang zu, bevor wir unser Gespräch beginnen.</p>



<p>Marianne, wie hast du Gerhard kennengelernt? Wie würdest du euer gemeinsames Leben beschreiben?</p>



<p><em>Wir haben uns 25 Jahre lang begleitet und ich bin dankbar für jedes einzelne Jahr. Unsere Beziehung begann mit „Loslassen“ und endete auch mit „Loslassen“. Ich habe Gerhard auf der Pflegestation kennengelernt, auf der ich damals gearbeitet habe. Es war die Zeit nach dem Lainzer Pflegeskandal, der die österreichische Gesellschaft aufgewühlt hatte. Als Reaktion auf die Missstände im Pflegesystem hatte man verfügt, dass künftig eine diplomierte Krankenschwester einer Station vorstehen musste. Und somit wurde ich mit knapp 20 Jahren als Leiterin eingesetzt und hatte schon als junge Frau große Verantwortung zu tragen. Gerhards Mutter lag auf meiner Station und ihr Ende war absehbar. Gerhard war die Nacht durchgefahren, um sie noch einmal zu sehen. Die offizielle Besuchszeit war längst vorbei und er wurde am Eingang abgewiesen. Er tat mir leid und so habe ich ihn in das Zimmer seiner Mutter begleitet. Er war so dankbar darüber, dass er mir am nächsten Tag Blumen geschickt hat. Darauf folgte eine Einladung zum Essen und der Rest ist Geschichte.</em></p>



<p>Dann war es also Gerhards Mutter, die euch zusammengebracht hat?</p>



<p><em>Da muss ich fast schmunzeln, aber du hast Recht. Seine Mutter war gestorben, damit ich ihn kennenlernen konnte. Sie musste scheinbar eingreifen, da er für sich selbst die Richtige nicht finden konnte. Wir haben später oft darüber gescherzt. Gerhard wurde mir vom Himmel geschickt, wo er jetzt wahrscheinlich auch ist.</em></p>



<p>Mariann, du hast beruflich mit den Themen Verluste, Loslassen und letztendlich dem Tod zu tun. Ist man dadurch auf einen persönlichen Schicksalsschlag besser vorbereitet?</p>



<p><em>Durch meine langjährige Tätigkeit als Psychotherapeutin und aus meiner Praxis als ehemalige Krankenschwester sind mir die Themen natürlich vertraut. Doch wenn es dich persönlich trifft, ist das soweit von dem entfernt, was du in der Theorie gelernt hast. Gerhard war 25 Jahre älter als ich, ein Altersunterschied, der für mich nie von Bedeutung war. Gerhard war so ein stattlicher Mann. Er war ein leidenschaftlicher Sportler, ein erfolgreicher Manager, aber vor allem ein positiver Lebensgenießer. Er war hart zu sich selbst, für ihn galten keine Ausreden. Seiner Familie gegenüber war er liebevoll und großzügig. Der Familienzusammenhalt, die Geborgenheit darin, das war immer sein höchstes Ziel.</em></p>



<p>Wann habt ihr Gerhards Veränderungen und seine beginnende Krankheit wahrgenommen?</p>



<p><em>Gerhard erkrankte im Alter von 74 Jahren und sein Leiden sollte uns zwei Jahre in Atem halten. Zuerst fiel mir nur seine leichte Verstimmung auf. Er war stets ein fröhlicher Mensch gewesen. Jetzt ging sein Antrieb immer mehr verloren. Die leichte Verstimmung wechselte zu einer anhaltenden depressiven Grundstimmung. Dazu kamen Konzentrationsprobleme, Orientierungslosigkeit und Verwirrtheit. Wir ließen seinen Zustand fachärztlich abklären und die Diagnose war niederschmetternd. Es wurde vaskuläre Demenz festgestellt, die durch Durchblutungsstörungen im Gehirn entsteht. Je nachdem, welcher Bereich betroffen ist, sind auch die Auswirkungen unterschiedlicher Natur. Das Krankheitsbild war mir bekannt, aber dass es einmal meine große Liebe treffen könnte, das war mir nie in den Sinn gekommen. Ich habe damals viel geweint, konnte es nicht glauben. Aber dann habe ich mich der Aufgabe gestellt. Es gab keine Wahl.</em></p>



<p>Die Pflege eines Demenzkranken ist sehr schwierig. Wie bist du anfangs damit umgegangen, wie hast du die Herausforderungen bewältigt?</p>



<p><em>Am Anfang konnte ich seine Pflege zu Hause noch recht gut bewerkstelligen. Solange sich Gerhard in seinem gewohnten Umfeld bewegte und einen geregelten Ablauf hatte, waren die Schwierigkeiten überschaubar. Unsere Kinder haben mich gut unterstützt, ich konnte bei der Betreuung auch auf die Hilfe von Freunden und Nachbarn zählen. Gerhards Krankheitsbild war von einer inneren Getriebenheit und auch Aggressionsbereitschaft geprägt. Er hatte diesen unaufhaltsamen Drang, ständig in Bewegung zu sein, er konnte nicht still sitzen. Wir begannen, endlos lange Spaziergänge zu unternehmen und ich konnte ihn auch nicht alleine losziehen lassen. Ich weiß es nicht, wie viele Kilometer wir zurückgelegt haben. Man erkannte uns schon von weitem, wenn wir immer und immer wieder unsere Runden gezogen haben.</em></p>



<p>Wann hast du dich dazu entschlossen, auf fremde Hilfe zurückzugreifen?</p>



<p><em>Gerhards Tagesbetreuung funktionierte mal mehr, mal weniger gut. Ich wollte und konnte meinem Beruf nicht aufgeben und somit musste immer jemand im Haus sein. So stießen wir bei der Organisation allmählich an unsere Grenzen. Wirklich schlimm waren die Nächte, in denen ich auf mich alleine gestellt war. Gerhard litt an einer Reizblase und war unzählige Male wach, machte Licht, weckte mich, lief im Haus umher. Ich war kraftlos vom Tag und fand keine Erholung im Schlaf. Irgendwann war es dann zu viel und wir mussten auf einen Pflegedienst zurückgreifen. Man kann sich nicht vorstellen, wie schwierig es ist, jemanden zu finden, auf den man sich verlassen kann. Insgesamt hatten wir vierzehn verschiedene Pflegekräfte bei uns zu Hause. Gerhard war damit gar nicht einverstanden und zeigte offen seinen Unmut. Mit fortschreitender Krankheit war er immer mehr auf mich fixiert. Es waren zwar alle involviert, die engste Familie, der Freundeskreis, aber wirklich beruhigen konnte nur ich ihn. Ich habe ihn in den Arm genommen, sanft auf ihn eingeredet und alles war wieder gut. Er hatte solche Angst vor dem Alleinsein. Immer wieder bat er mich, ihn nicht zu verlassen.</em></p>



<p>Hast du jemals daran gedacht, Gerhard in ein Pflegeheim zu geben.</p>



<p><em>Nein. Daran habe ich niemals gedacht. Ich habe ihm mein Versprechen gegeben, bis zum Schluss für ihn da zu sein. Selbst wenn es noch so schwer werden würde. Ich habe auch nie unser gemeinsames Schlafzimmer verlassen. Ich wollte bewusst seine Nähe genießen, solange uns die Zeit geschenkt war. Wir haben viel gekuschelt. Nachts, wenn er mich wieder geweckt hat, habe ich mich auf seinen Arm gelegt, das hat ihn beruhigt. Körperkontakt war mir so wichtig, ich wollte jede Sekunde auskosten. Egal, wie dement er war, ich wollte dieses Gefühl für die Zeit danach konservieren.</em></p>



<p>Warum hat sich sein Zustand so dramatisch verschlechtert?</p>



<p><em>Nicht die Demenz an sich, sondern eine schwere Sepsis, die er sich durch eine unzureichende Behandlung beim Urologen zugezogen hatte, führte dann zu einer rapiden Verschlechterung. Längst hatten wir das Wohnzimmer in ein Krankenlager umfunktioniert und Gerhards Bett dort aufgestellt. Es war mir wichtig, dass er mitten unter uns war und an unserem Alltag teilnehmen konnte. Um Weihnachten haben wir die Hoffnung auf Besserung endgültig aufgegeben.</em></p>



<p>Wie habt ihr euer letztes Weihnachtsfest gefeiert?</p>



<p><em>An Heiligabend waren alle da, Gerhards Kinder aus seiner früheren Beziehung, unsere beiden gemeinsamen Kinder, meine beiden Schwestern, meine Freundin Bea und Gerhards beste Freundin aus Kindheitstagen. Gerhard, in seinem Krankenbett sitzend, hatte mit uns noch Weihnachtslieder gesungen. Es war aber so spürbar, dass seine Kräfte immer mehr schwanden. Nach der Bescherung fuhren meine Schwestern kurz nach Hause, um ein paar Sachen zu holen. Sie wollten mich in dieser Phase nicht alleine lassen und haben sich kurzerhand für die nächsten Tage bei uns einquartiert. Wir haben das Wohnzimmer in ein Matratzenlager verwandelt. Niemand verspürte mehr das Bedürfnis, in seinem eigenen Zimmer zu schlafen. Sieben Tage und sieben Nächte haben wir gemeinsam gewacht, gekocht, gegessen, uns Geschichten erzählt, gelacht und geweint. Wir hatten eine Wohngemeinschaft gebildet und Gerhard war der Mittelpunkt.</em></p>



<p>Und zu Silvester sollte sein letzter Tag sein?</p>



<p><em>Am Silvestertag war dann auch eine Palliativärztin anwesend, die mit Medikamenten dafür sorgte, dass er keine Schmerzen erdulden musste. Er nahm kaum noch Flüssigkeit zu sich. Um ihn ein bisschen zu verwöhnen, haben wir ein Wattestäbchen in den Likör von Mon Cherie getaucht und damit seine Lippen benetzt. Die mochte er so gerne. Anna wusch ihm die Haare mit Trockenshampoo. Ihr Papa sollte gut aussehen, wenn er seine Reise antritt. Es war ein eigentümliches Warten, die Anspannung war unerträglich. Die Palliativärztin schmiss uns förmlich aus dem Hause und nötigte uns zu einem langen Spaziergang an der frischen Luft. Sie spürte, dass er nicht gehen konnte, solange wir alle um ihn waren. Als wir um 13 Uhr zurückkamen und die Türe öffneten, fiel ein Sonnenstrahl auf sein Gesicht und er hörte auf zu atmen.</em></p>



<p>Konntet ihr euch gut verabschieden? Wie seid ihr damit umgegangen?</p>



<p><em>Wir waren alle sehr gefasst, wir hatten uns über zwei Jahre jeden Tag ein Stückchen mehr von ihm verabschiedet. Wir schrieben noch ein paar Zeilen an ihn. Jeder für sich, ohne es mit den anderen zu teilen. Wir falteten die Zettelchen und steckten sie in die Tasche seines Sakkos, das wir ihm mitgegeben haben. Auch eine Armbanduhr haben wir ihm angelegt, Gerhard war Pünktlichkeit immer so wichtig gewesen. Zuletzt haben wir uns die Hände gereicht, ein Vater Unser gebetet und dann hat ihn der Bestatter abgeholt.</em></p>
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		<title>Gespräch mit Dagmar</title>
		<link>https://www.kirschhaeubchen.at/gespraech-mit-dagmar/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kirschhaeubchen]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 07 Oct 2024 04:19:11 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gespräche]]></category>
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					<description><![CDATA[Über das heutige Gespräch freue ich mich ganz besonders, weil ich Dagmar scheinbar zufällig begegnet bin. Scheinbar nur deshalb, weil wir beide einen gemeinsamen Freund haben, aber bislang nichts davon wussten. Ich würde sogar glauben, dass unsere Begegnung ein Zeichen dafür ist, dass alles im Leben irgendwie zusammenhängt. Dagmar ist diplomierte Krankenschwester und unterrichtet seit [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Über das heutige Gespräch freue ich mich ganz besonders, weil ich Dagmar scheinbar zufällig begegnet bin. Scheinbar nur deshalb, weil wir beide einen gemeinsamen Freund haben, aber bislang nichts davon wussten. Ich würde sogar glauben, dass unsere Begegnung ein Zeichen dafür ist, dass alles im Leben irgendwie zusammenhängt. Dagmar ist diplomierte Krankenschwester und unterrichtet seit einigen Jahren PflegefachassistentInnen in Palliativ Care im Campus Donaustadt. Unser gemeinsamer Freund Klaus fungiert dort als geduldiger Simulationspatient für die Auszubildenden. Klaus hat mich wiederum in Kathis Buchprojekt mit seiner technischen Expertise unterstützt und tut das auch jetzt bei meinem Blog. Als Klaus dann zufällig im Unterricht Kathis Buch „Kirschhäubchen“ auf dem Tisch liegen sah, war die Überraschung groß. Und schnell konnte der Zusammenhang aufgeklärt werden.</p>



<p>Liebe Dagmar, ich freue mich, dass wir uns gefunden haben. Wie hast du Kathi damals kennengelernt? Woher kanntet ihr euch?</p>



<p><em>Ich war viele Jahre Krankenschwester auf der Onkologie der Station 18 H im AKH Wien. Als Kathi dort 2014 aufgenommen wurde, war ich auch für sie zuständig. Sie war eine meiner interessantesten und coolsten Patientinnen, wenn ich das so sagen darf. Sie wusste über ihren kritischen Zustand Bescheid, setzte sich mit ihrer Krebserkrankung bewusst auseinander. Ich habe sie immer bewundert, mit welcher Gefasstheit sie ihrem Schicksal entgegengetreten ist. Sie ließ sich trotz der Rückschläge und Beschwerden nicht unterkriegen, sie war eine Kämpfernatur. Das war bemerkenswert und wird mir immer in Erinnerung bleiben. </em></p>



<p>Erinnerst du dich noch, wie ihr ins Gespräch gekommen seid?</p>



<p><em>Ja, das tue ich, und zwar ziemlich genau. Wir hatten als Krankenschwestern ein neues Aufgabengebiet übernommen, das Anstechen des Port-a-Cath (ein unter der Hautoberfläche liegender Zugang für Infusionen). Kathi hatte gerade einen Port-a-Cath implantiert bekommen und ich war dafür zuständig, ihr die erste Infusion zu verabreichen. Ich war fürchterlich nervös, wollte ihr auf keinen Fall wehtun. Kathi hat das sofort bemerkt und zur Ablenkung zu erzählen begonnen. So habe ich sie kennengelernt und die Gespräche mit ihr wurden zu einer lieben Gewohnheit. Sie war ein unwahrscheinlich offener und herzlicher Mensch, man musste sie einfach gernhaben. Kathi hat uns alle auf der Station sehr berührt. So ein junger Mensch, das lässt niemanden kalt. Sie hat mir auch von ihrem Blog erzählt, den ich dann regelmäßig gelesen habe. Es war interessant, Einblick in die Sichtweise einer Patientin zu bekommen. Und ich habe mich sehr gefreut, dass du das Buch für sie fertiggestellt hast. Das war ihr größter Wunsch.</em></p>



<p>Ich habe jahrelang darunter gelitten, dass ich Kathis Hand nicht halten konnte, als sie gegangen ist. Ich dachte, ich hätte sie im entscheidenden Moment alleine gelassen. Die Frage fällt mir selbst schwer. Hast du sie an ihrem letzten Tag gesehen?</p>



<p><em>Nein, ich war auch nicht bei ihr. Ich hatte am Tag vor ihrem Tod noch Dienst. Ihr Zustand war bereits kritisch, es war irgendwie absehbar, dass es zu Ende geht. Ich habe das gefühlt, obwohl sich ein genauer Zeitpunkt nicht abchätzen lässt. In all den Jahren hat man sich hier leider ein Wissen darüber angeeignet. Aus meiner Erfahrung kann ich dir sagen, dass Sterbende oft gerne alleine fortgehen, dass sie das bewusst so wählen. </em></p>



<p>Wie kann man als Krankenschwester damit umgehen, wie steckt ihr das weg?</p>



<p><em>Weißt du, wenn man die Patienten begleitet, ihren Kampf und ihr Leiden sieht, ihre Verzagtheit und ihre Müdigkeit mitansehen muss, dann ist man auch erleichtert, dass das nun vorbei ist.  Wir bemerken die Anzeichen, wenn ein Patient bereit ist. Er zieht sich innerlich zurück, kapselt sich ab. Als Angehöriger mag man das nicht sehen, wahrscheinlich ist es Selbstschutz. Manchmal glaube ich, dass ein Mensch spürt, dass ihm nur ein kurzes Leben zu Verfügung steht. Diese Menschen leben viel rasanter, viel intensiver als andere. Als müssten sie so viel wie möglich aus ihrer Zeit herausholen.</em></p>



<p>Du bist jetzt Vortragende und arbeitest nicht mehr im AKH. Warum hast du gewechselt?</p>



<p><em>Irgendwann ist es genug, irgendwann kann man sich nicht mehr ausreichend abgrenzen. Man nimmt die Geschichten mit nach Hause. Ich war 17 Jahre lang gerne Schwester auf der Onkologie. Auf die Station 18 H kamen nur schwere Fälle. Krebskranke, deren Aussicht auf Heilung schon von Anfang an gering war. Achtzig Prozent überleben ihre Krankheit nicht. Es ist schwer, dem Tod so häufig zu begegnen und bei einem jungen Menschen ist die Betroffenheit noch viel größer. Ich habe auf der Krebsstation viel Demut vor dem Leben mitgenommen. Ich habe es geschätzt, eine persönliche Beziehung zu meinen Patienten aufzubauen, sie soweit es mir möglich war, zu unterstützen. Wir haben auch im Team vieles besprochen, uns gegenseitig gestützt. Das war sehr wichtig, um die Belastung auszuhalten.</em></p>



<p>Wie unterscheidet sich deine jetzige Tätigkeit von der Zeit als Krankenschwester?</p>



<p><em>Ich unterrichte jetzt PflegefachassistentInnen in einem Lehrgang für Palliativ Care, der sich über einen Zeitraum von zwei Jahren erstreckt. Ich kann dort viel einbringen aus meiner Tätigkeit auf der Krebsstation. Würde ich wieder in die Pflege zurückkehren, wäre mein Platz definitiv auf einer Palliativstation. Dort herrscht eine andere Atmosphäre. Hier gibt es den Kampf, Heilung um jeden Preis, nicht mehr. Das Zwischenmenschliche rückt in den Vordergrund, es ist insgesamt friedlicher. Der Fokus liegt auf der Schmerzbehandlung und nicht mehr auf der Symptombehandlung. Sich Zeit für ein Gespräch zu nehmen ist viel hilfreicher, als Medikamente zu verabreichen. Aber zurzeit erfüllt mich meine Lehrtätigkeit sehr und ich möchte sie nicht missen. Ich habe meinen SchülerInnen auch von Kathis Buch erzählt und es herumgereicht. Ich möchte es in den Unterricht einbauen, weil es wichtig ist zu wissen, wie sich ein Patient fühlt.</em> <em>Darum geht es letztendlich. </em></p>



<p>Liebe Dagmar, vielen Dank für deinen Beitrag. Für mich ist es wunderschön zu hören, dass Menschen wie du sich um Kathi gekümmert haben. Es ist tröstlich zu wissen, dass Patienten wahrgenommen werden. Ich bringe dir wirklich gerne ein paar Bücher vorbei! </p>



<p></p>
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		<title>Reaktionen auf den Blog</title>
		<link>https://www.kirschhaeubchen.at/reaktionen-auf-den-blog/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kirschhaeubchen]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 29 Sep 2024 18:27:41 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gespräche]]></category>
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					<description><![CDATA[Als ich mich vor einigen Monaten entschieden habe, Kathis Seite wieder aufleben zu lassen, hatte ich keine konkrete Idee, wohin es genau führen soll. Ich fühlte nur, dass es mir ein großes Anliegen ist, meine Gedanken aufzuschreiben. Ich schätze die Möglichkeit, eine Botschaft, die mir am Herzen liegt, teilen zu können und es erfüllt mich [&#8230;]]]></description>
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<p>Als ich mich vor einigen Monaten entschieden habe, Kathis Seite wieder aufleben zu lassen, hatte ich keine konkrete Idee, wohin es genau führen soll. Ich fühlte nur, dass es mir ein großes Anliegen ist, meine Gedanken aufzuschreiben. Ich schätze die Möglichkeit, eine Botschaft, die mir am Herzen liegt, teilen zu können und es erfüllt mich mit Freude und Stolz zu sehen, wie viele Leser meine Geschichten bisher angeklickt haben. Ich habe mich bewusst dazu entschieden, vorerst auf meinem Blog keine Kommentare zuzulassen. Zu sehr fürchte ich mich davor, dass Personen die Möglichkeit nutzen, beleidigende oder unangemessene Bemerkungen, themenfremde Inhalte oder irrelevante Links zu veröffentlichen. Der Umgangston im Internet ist manchmal recht rau und vor allem lässt er sich kaum kontrollieren. Trotz dieser Einschränkung haben mich viele Nachrichten per WhatsApp oder E-Mail erreicht, die wunderschön sind und mich in meinem Vorhaben bestärken. Einige davon möchte ich euch nicht vorenthalten.</p>



<p><em>Liebe Brigitte &#8211; Kathis Mama!</em></p>



<p>Danke dir für deine wundervolle Idee, Kathis Geburtstag nicht nur wahrzunehmen, sondern auch zu feiern. Denn ja, wir feiern das Leben mit ihr und begleiten sie, wo immer sie jetzt ist. Die Liebe stirbt doch nie!</p>



<p>Ich habe sie nicht persönlich kennengelernt, doch durch dich ist sie für mich quicklebendig und vielfältig und präsent und damit „zum Anfassen und Erspüren“ geworden. Ich vermisse sie mit dir und empfinde deinen fast unerträglichen Schmerz, trotz der Distanz der vielen Jahre. Auch wenn Herzweh und Bedrückung manchmal lebbar und ertragbar für dich werden, bleibt ein „Warum“. Es bleibt eine Wut auf die gestohlene Zeit, auf das gestohlene Leben zurück. Ein wenig Trost mag vielleicht sein, dass Kathi in ihrem viel zu kurzen Leben intensiv und leidenschaftlich gelebt hat.</p>



<p><em>Es umarmt dich mit besonders lieben Gedanken, Gabi</em></p>



<p></p>



<p><em>Werte Frau Magnet!</em></p>



<p>Es hat mich sehr berührt, dass Sie auch an mich gedacht haben. Kathrin ist mir immer in Erinnerung geblieben und wird es weiterhin bleiben. Von Herzen wünsche ich Ihnen alles Liebe und dass der Schmerz über den Verlust schon ein wenig anders ist. Denn leichter wird er bestimmt nicht. Kathrin war ein besonderer Mensch, das möge sie trösten.</p>



<p><em>Ihre Elisabeth S.</em></p>



<p><em>Liebe Frau Magnet!</em></p>



<p>Ich denke oft an Sie und Kathrin. Ich habe auch erst kürzlich wieder Kathis Buch in der Hand gehabt, weil ich es gerne in meinen Unterricht einbauen möchte. Weil es mich jedes Mal berührt, wenn ich an ihre Krankengeschichte denke und an ihre Kämpfernatur. Wie sie mit ihrer Erkrankung umgegangen ist und die Gespräche mit ihr. Ich glaube, da könnte ich den Auszubildenden viel mitgeben. Danke nochmals, dass Sie sich bei mir gemeldet haben.</p>



<p><em>Liebe Grüße, Dagmar (Kathis Krankenschwester)</em></p>



<p><em>Liebe Brigitte!</em></p>



<p>Sonja hat mir Deine E-Mail weitergeleitet und ich möchte Dir einfach schreiben. Ich habe Kathi auf der Feier zu meinem 40. Geburtstag im Jahr 2011 kennengelernt. Sonja hatte mich damals gefragt, ob sie eine liebe Kollegin mitbringen darf. Sonja hatte mir schon zuvor immer wieder von Kathi erzählt, und ich hatte mich darauf gefreut, &#8222;das Mädel&#8220; endlich persönlich kennenzulernen. Kathi hatte mir einen Nagellack als Geschenk mitgebracht. Dieser war mir viel zu dunkel für meine &#8222;Stummelnägel&#8220;, aber die Farbe hatte mir gut gefallen. Und so habe ich den Nagellack bei jedem Aussortieren von alten oder ungeliebten Beständen immer behalten. Als Kathi dann krank geworden war, habe ich den Nagellack weiterhin aufgehoben. Ich habe ihn noch heute! Was ich nicht wusste, ist, dass Kathis Geburtstag auf den 23. August fällt. Das ist mein Hochzeitstag. Als ich geheiratet habe, ist Kathi volljährig geworden. Diesen Zusammenhang finde ich sehr nett. Es war auf jeden Fall ein sonniger Tag, die Tage zuvor hat es fast durchgängig geregnet. Alles Liebe Dir und danke, dass der Blog weitergeführt wird!</p>



<p><em>Liebe Grüße, Summy</em></p>



<p></p>



<p><em>Liebe Brigitte!</em></p>



<p>Wir stoßen jedes Jahr auf Kathis Geburtstag an. In der PORR gibt es noch viele ihrer ehemaligen KollegInnen und wir denken alle oft und gern an die Zeit mit ihr zurück!! Außerdem treffe ich unsere gemeinsamen FH-KollegInnen, wo immer wieder schöne Erinnerungen mit Kathi aufpoppen. Das kleine Kirschhäubchen, das sie vor 10 Jahren meiner Tochter noch geschenkt hat, werde ich sowieso nie weggeben. Ihr seid eine tolle Familie mit ganz viel Liebe zueinander.</p>



<p><em>Alles Gute Euch und schöne Grüße aus der PORR-Burg! Judith S.</em></p>



<p></p>



<p><em>Liebe Brigitte,</em></p>



<p>gratuliere zu Deinem gelungenen Herzensprojekt – möge es Dir in weiterer Folge Kraft, Zuversicht und ja, teils auch Freude schenken! Ich wünsche Dir, dass irgendwann die schönen Erinnerungen überwiegen.</p>



<p><em>Alles Liebe, Ursi</em></p>



<p></p>



<p><em>Liebe Brigitte,</em></p>



<p>Dein – oder Kathis Blog hat mich sehr, sehr berührt. Ich hoffe, ihr habt den Geburtstag gut verbracht. Mit Tränen und Lachen und mit vielen wunderbaren Geschichten. Es beeindruckt mich, wie du mit allem umgehst. Du könntest bestimmt selbst vielen Trauernden helfen. Kathi war immer so stolz, dass du ihre Mama bist. Auf alles, was du erreicht hast. Wenn ich Mama wäre, dann wärst du mein Vorbild.</p>



<p><em>Umarmung, dein Knopfi</em></p>



<p></p>



<p><em>Hallo liebe Brigitte!</em></p>



<p>Ich habe mir im Urlaub die Zeit und die Ruhe genommen, deinen Blog durchzulesen. Es ist toll, wie du ihn aufgebaut hast. Ich konnte nicht zu lesen aufhören. Für mich ist er ergreifend und tröstlich zugleich. Deine Geschichten, die Interviews und vor allem, auch die Geschichte mit den Mädels auf der Rax, gefallen mir sehr. Ich freue mich auf mehr!</p>



<p><em>Alles Liebe, Silvia</em></p>



<p></p>



<p>P.S. &#8211; über das Kontaktformular auf dem Blog könnt ihr mir jederzeit Nachrichten schicken.</p>
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		<title>Gespräch mit Gaby</title>
		<link>https://www.kirschhaeubchen.at/gespraech-mit-gaby/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kirschhaeubchen]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 06 Sep 2024 04:31:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gespräche]]></category>
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					<description><![CDATA[Heute erzählt mir Gaby ihre traurige Geschichte. Ihr Lebenspartner Mark ist letztes Jahr im Oktober von einer Wandertour in den Tiroler Bergen nicht mehr zurückgekehrt. Gaby, wie hast du die Nachricht von Marks Tod erhalten? Was waren deine Gedanken, wie hast du reagiert?&#160; Mark hatte einen Wanderurlaub geplant und sich schon sehr darauf gefreut. Unterwegs [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Heute erzählt mir Gaby ihre traurige Geschichte. Ihr Lebenspartner Mark ist letztes Jahr im Oktober von einer Wandertour in den Tiroler Bergen nicht mehr zurückgekehrt.</p>



<p>Gaby, wie hast du die Nachricht von Marks Tod erhalten? Was waren deine Gedanken, wie hast du reagiert?&nbsp;</p>



<p><em>Mark hatte einen Wanderurlaub geplant und sich schon sehr darauf gefreut. Unterwegs hatte er mir noch Fotos und WhatsApp Nachrichten von der schönen Aussicht geschickt. Er war gut drauf und glücklich, endlich in seinen geliebten Bergen zu sein. Zwei Stunden später klingelte es an der Tür. Die Frau von Marks Wandergefährten überbrachte mir die schreckliche Nachricht. Von einem Moment zum anderen war nichts mehr so, wie es vorher war. Es hat mich weggespült, da war völlige Leere. Ich habe wie mechanisch funktioniert. Ich denke noch immer, dass er nur kurz irgendwo ist und wieder zurückkommt.</em></p>



<p>Dein Schicksalsschlag liegt erst kurze Zeit zurück. Kannst du dennoch sagen, was dir in der ersten Phase der Trauer geholfen hat? </p>



<p><em>So unbegreiflich es auch klingen mag, Mark hat sich den für ihn schönsten Ort ausgesucht. Er war glücklich in diesem Moment. Sein Tod trat innerhalb von Sekunden ein, er musste nicht leiden. Es geschah an seinem besonderen Platz, wie es sein Wunsch war. Nur traf es ihn viel zu früh. Es gibt nichts, was einem gegen all den Schmerz, der danach kommt, schützen kann. Es hilft nur der Glaube an die eigene Kraft, daran, dass es irgendwie weitergeht.</em></p>



<p>Wie konntest du dich motivieren, weiterzumachen?</p>



<p><em>Mark war so stark und doch musste er gehen. Ich tröste mich mit dem Gedanken, meinem Lebensmenschen begegnet zu sein. Das ist ein unsagbares Glück. Ich begreife erst langsam die Tragweite. Bilder ziehen an mir vorbei, Marks Seele wandert neben mir. Tag für Tag. Er ist ein Teil von mir. Dort, wo er jetzt ist, hat er Spaß mit seinem besten Freund Api. Er ist seiner Mutter nahe, die er so lange vermisst hat. Und ab und zu schaut er mit einem Augenzwinkern bei mir vorbei.</em></p>



<p>Wie hat dein Umfeld reagiert, was hat dich gestützt?</p>



<p><em>Jeder war bestürzt und fassungslos angesichts dessen, was passiert war. Mark war stark und gesellig, er hat das Leben geliebt und gefeiert. Wie konnte er plötzlich nicht mehr da sein, ohne Vorwarnung?</em></p>



<p><em>Ich hatte so viel zu viel zu tun, vor allem mit mir selbst. Dazu musste ich vieles organisieren, die Überstellung, die Beisetzung in seinem Geburtsort in Abstimmung mit seiner Familie. Dazu kümmerte ich mich auch um die Verlassenschaft. Es waren unzählige Dinge zu erledigen. Ich bin neben mir gestanden und habe mir dabei zugesehen, aber begriffen habe ich es nicht.</em></p>



<p>Für mich klingt das so, als fühltest du dich im Stich gelassen und hättest dringend Hilfe gebraucht.</p>



<p><em>Ich fühlte mich nicht direkt im Stich gelassen, denn meine beiden Söhne und auch Marks Söhne waren immer an meiner Seite. Aber man fragt sich schon, wie groß das Mitgefühl derjenigen ist, die erst jetzt, nach fast 11 Monaten, Hilfe und Unterstützung anbieten. </em></p>



<p>Was hättest du dir an Hilfestellung gewünscht? Wie hätte die aussehen sollen?</p>



<p><em>Ich tue mir schwer, um Unterstützung zu bitten. Aber in dieser schweren Zeit auf Hilfe angewiesen zu sein, verletzlich zu sein, das ist nicht angenehm.</em></p>



<p>Wie würdest du damit umgehen, wenn du jemanden zu trösten hättest?</p>



<p><em>Ich würde auf alle Fälle zuhören und umarmen, halten, den Schmerz (mit)aushalten. Das Leben trifft einen manchmal mit voller Härte, niemand sucht sich das aus. Ohne viele Worte verstehen und da sein. Ich bin unendlich dankbar dafür, dass es solche Menschen in meinem Umfeld gibt. Vor allem meine beiden Söhne sind mir eine große Stütze. Ich schöpfe Kraft aus diesen Momenten, die ich mit besonderen Menschen teilen&nbsp;darf.&nbsp;</em></p>



<p>Hat sich deine Einstellung zum Leben oder dem verändert? Hast du dich verändert?</p>



<p><em>Ja, ganz sicher! Die Leichtigkeit unseres Lebens, das WIR ist verschwunden. Marks Tod hat vieles mitgenommen, den Sinn, die Lebensfreude, unsere gemeinsame Zukunft. Aber niemand kann mir meine Erinnerungen nehmen. Dieser Gedanke stützt mich, bringt mich ihm näher und schließt an unsere glückliche Zeit an.</em></p>



<p><em>Ich möchte mein Leben der neuen Situation anpassen. Aber noch habe ich keine Ahnung, wie das gehen soll. Manches passt nicht mehr zu meinem jetzigen Leben.</em></p>



<p>Wie behältst du ihn in deinem Leben, welche Erinnerungen sind wach?&nbsp;</p>



<p><em>Anfangs habe ich versucht, unseren Tagesrhythmus beizubehalten. Ich bin an Orte gefahren, die ich mit ihm verbinde. Manchmal bin ich sogar so weit gegangen, dass ich Dinge gegessen oder getrunken habe, die er mochte. Nur um ihm nahe zu sein. Ich habe Gedanken mit seinen Worten zu Ende gedacht Mark fehlt mir jeden Tag. Es sind die täglichen, kleinen Dinge und Gesten. Der Rasierschaum auf seiner Haut, die Zahnpastatube in der Dusche. Seine Weste über dem Sessel. Der Klang seiner Stimme, wenn er zur Tür hereingekommen ist. Das gemeinsame Frühstück, unsere wunderbaren Gespräche. Mark ist immer und überall da.</em></p>



<p>Gaby, ich danke dir für deine berührende Geschichte. Ich hoffe, es hilft dir ein bisschen, sie erzählt zu haben. Letztendlich ist es wirklich die Zeit, die den Schmerz irgendwann kleiner machen wird.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Gespräch mit Jil</title>
		<link>https://www.kirschhaeubchen.at/gespraech-mit-jil/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kirschhaeubchen]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 08 Jun 2024 11:51:48 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gespräche]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.kirschhaeubchen.at/?p=1643</guid>

					<description><![CDATA[Kathi wurde während ihrer Krankheit von ihren drei besten Freundinnen begleitet. Da waren Jil, Maria und Chrisi, die sie seit ihrer Schulzeit kannte. Jil ist mit ihrer Familie nach Pittsburgh gezogen. Wir haben immer noch Kontakt zueinander, folgen uns auf Instagram und Facebook und manchmal schaffen wir es, ausführlich zu telefonieren. Und während eines langen Videocalls [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Kathi wurde während ihrer Krankheit von ihren drei besten Freundinnen begleitet. Da waren Jil, Maria und Chrisi, die sie seit ihrer Schulzeit kannte. Jil ist mit ihrer Familie nach Pittsburgh gezogen. Wir haben immer noch Kontakt zueinander, folgen uns auf Instagram und Facebook und manchmal schaffen wir es, ausführlich zu telefonieren. Und während eines langen Videocalls ist dieses Gespräch entstanden.</p>



<p>Wie hast du Kathis Krankheit und dann ihren Tod empfunden, was sind heute nach so vielen Jahren deine Erinnerungen daran?&nbsp;</p>



<p><em>Ich weiß noch genau, wo ich war, als sie mich angerufen hat und mir erzählt hat, dass die Ärzte einen Tumor gefunden haben. Von da an war alles sehr unwirklich. Ich habe die Realität auch relativ lange verdrängt. Es gab so viele schlechte Nachrichten während ihrer Krankheit, aber die wollten wir halt alle nicht wahrhaben und akzeptieren. Da ging&#8217;s dann eher darum, in eine andere Richtung nachzuforschen, einen anderen Arzt um eine Meinung zu fragen, Erfolgsgeschichten zu suchen, die Hoffnung geben. Ich war gleichzeitig schwanger mit Vincent, hatte bereits ein Baby zu Hause. Kathis Krankheit hat sich meist so unwirklich angefühlt. Das konnte doch gar nicht sein, in dem Alter! Ich habe ständig darauf gewartet, dass irgendwer sagt: &#8222;Wir haben uns geirrt&#8220; oder &#8222;Wir haben ein neues Medikament, macht euch keine Sorgen mehr.&#8220;&nbsp;</em></p>



<p>Was hat dir in der ersten Zeit der Trauer geholfen? Wie konntest du dich motivieren, weiterzumachen?&nbsp;</p>



<p><em>Meine zwei Kinder und Terry, mein Mann, haben mich sehr unterstützt. Die beiden Buben waren noch so klein, der Alltag mit ihnen hat da bestimmt geholfen, um erstmal alles zu verdrängen. Dass irgendwas speziell geholfen hätte, könnte ich nicht sagen. Es gab nichts, was diese Situation weniger schmerzhaft hätte machen können. Wir Mädels haben uns in der ersten Zeit noch oft getroffen, sind auch ein Wochenende gemeinsam weggefahren, wo wir viele Geschichten immer und immer wieder erzählt haben. Es wurde viel gelacht, aber noch viel mehr geweint. Das erste Jahr nach ihrem Tod war auch wieder unwirklich, viele Tage habe ich wie in einer Wolke erlebt. Es hilft da einfach nichts &#8211; nicht mal Zeit. Man lernt halt, mit dem Gefühl zu leben, aber dass irgendwas mir wirklich geholfen hätte, könnte ich nicht sagen.&nbsp;</em></p>



<p>Wie hat dein Umfeld reagiert &#8211; was hat dich gestützt, was hast du als das Gegenteil empfunden?&nbsp;</p>



<p><em>Ich kann mich erinnern, dass Terry sehr verständnisvoll war, was Gefühlsausbrüche und Stimmungsschwankungen betroffen hat. Ich habe dazwischen auch immer wieder Zeit für mich alleine gebraucht und wollte gar niemanden um mich haben. In der ersten Zeit nach ihrem Tod hat mich auch alles an Kathi erinnert. Lieder im Radio, die Handtasche, die im Vorzimmer hing, die ich mit ihr gekauft hatte, das Kaffeehaus um die Ecke, wo wir immer frühstücken waren, die Bank im Park, wo wir stundenlang gesessen sind, wenn wer blöd geschaut hat und ich mir Kathis Kommentar vorgestellt habe, die Weste, die sie mir geschenkt hat, das Essen beim Heurigen, das sie bestellt hätte &#8211; alles, an jeder Ecke, in jeder Situation.&nbsp;</em></p>



<p>Was hättest du dir gewünscht an Hilfe, die du aber nicht bekommen hast?&nbsp;</p>



<p><em>Ich könnte nicht sagen, dass ich mir irgendwas anders vorgestellt oder gewünscht hätte. Alle um mich herum haben genauso mit der Trauer gekämpft und mussten ihren eigenen Weg da durchfinden. Man kann zwar im Alltag versuchen, sich etwas abzulenken, aber sobald ein ruhiger Moment da ist, überkommt es einen. Jeder in meinem Umfeld war ja genauso von Kathis Tod betroffen. Wir waren alle im selben Boot.</em></p>



<p>Wie würdest du nun damit umgehen, wenn du jemanden zu trösten hättest?&nbsp;</p>



<p><em>Da hilft nichts, egal was man sagt. Einfach nur Verständnis zeigen und da sein, falls die Person darüber reden will. Meiner Meinung nach gibt&#8217;s da nicht wirklich was, das hilft. Jeder geht auch mit der Trauer anders um. Manche ziehen sich mehr zurück, manche brauchen die Leute um sich. Dann hat man wieder das Gefühl, es geht halbwegs, auf einmal kommt die Welle und trifft dich frontal. Manchmal hatte ich auch Phasen, in denen ich ganz oft von ihr geträumt habe &#8211; da habe ich dann persönlich auch immer ein paar Tage gebraucht, bis ich das halbwegs verdaut hatte.</em></p>



<p>Hast du Lehren aus ihrem Tod gezogen und handelst nun anders, als du es vorher getan hast? Hast du dich verändert?</p>



<p><em>Natürlich denkt man sich, dass man vieles nicht als so selbstverständlich ansehen soll. Dass jederzeit etwas passieren kann, was ganz unerwartet alles verändert. Aber im Grunde sind es die ganz einfachen Dinge, die ich schätze und die wir alle gerne mit Kathi geteilt hätten. Die Situationen zwischendurch, wo man einfach glücklich ist und sich dessen bewusst ist &#8211; und dann daran denkt, wie schön es wäre, wenn Kathi jetzt da wäre. Vielleicht ein bisschen dankbarer oder sich dessen bewusst sein, was man hat. Ich glaube, wir haben uns alle sehr verändert, durch ihren Tod und sicherlich auch durch meinen Umzug nach Pittsburgh. Alle haben ihr eigenes Leben, Familie und Job etc. &#8211; der Kontakt zwischen uns Freundinnen hat sich nicht nur sehr reduziert, sondern leider auch teilweise ganz aufgehört.&nbsp;&nbsp;</em></p>



<p>Wie behältst du sie in deinem Leben, welche Erinnerungen sind wach?&nbsp;</p>



<p><em>Ich glaube, es vergeht kein Tag, an dem ich nicht an Kathi denke. Vielleicht nicht mehr mit dieser Schwere wie noch vor ein paar Jahren, sondern öfter mal mit einem Lächeln oder der Vorstellung, wie sie jetzt gerade reagieren oder die Augen verdrehen würde. Ich habe ein paar Kleinigkeiten, die Kathi gehört haben. Eine Weste, die ich immer noch ständig anziehe. Eine Zitronenpresse, die wir JEDEN TAG verwenden, vor allem mein Sohn Ben, der auch ganz genau weiß, dass es Kathis Zitronenpresse war. Genauso wie die Kinderteller von ihr, die wir immer noch verwenden. Es gibt auch so viele Fotos von uns beiden gemeinsam, von Wochenend-Trips und Urlauben. Kathi hat ja auch von überall Postkarten geschickt (und auch Postkarten von jedem erwartet). Ich habe eine kleine Kiste mit allen möglichen Erinnerungen, die ich immer wieder mal durchschaue. Ich denke ganz oft daran, wie ihr Leben jetzt mit fast 40 ausschauen würde, und bin mir fast sicher, dass sie für meine Kinder die Tante wäre, die viel zu teure Geschenke schickt und sich mit uns in New York zum Shoppen treffen würde. Auch wenn&#8217;s für uns alle zu teuer wäre, sie hätte das bestimmt durchgesetzt <img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/1f609.png" alt="😉" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" /> Vielleicht würde alles auch ganz anders ausschauen, wer weiß.</em></p>



<p><em>Unser Leben würde aber auf alle Fälle anders aussehen, wenn sie noch da wäre.&nbsp;</em></p>



<p></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Gespräch mit Claudia</title>
		<link>https://www.kirschhaeubchen.at/gespraech-mit-claudia/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kirschhaeubchen]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 22 Mar 2024 12:53:17 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gespräche]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.kirschhaeubchen.at/?p=1647</guid>

					<description><![CDATA[Ich spreche heute mit meiner lieben Freundin Claudia. Claudia hat der Tod ihres Lebensgefährten Günter völlig unerwartet getroffen. Gerade zu einem Zeitpunkt, als sich beide auf eine gemeinsame, ereignisreiche und unbeschwerte Zukunft gefreut haben. Ihre Kinder waren längst aus dem Haus, brauchten keine großartige Unterstützung mehr, ihrer beider Jobs waren gesichert, das Haus abbezahlt. Endlich [&#8230;]]]></description>
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<p>Ich spreche heute mit meiner lieben Freundin Claudia. Claudia hat der Tod ihres Lebensgefährten Günter völlig unerwartet getroffen. Gerade zu einem Zeitpunkt, als sich beide auf eine gemeinsame, ereignisreiche und unbeschwerte Zukunft gefreut haben. Ihre Kinder waren längst aus dem Haus, brauchten keine großartige Unterstützung mehr, ihrer beider Jobs waren gesichert, das Haus abbezahlt. Endlich war für die beiden die Zeit gekommen, das Leben in vollen Zügen zu genießen. Doch es kam ganz anders.</p>



<p>Claudia, Günters Tod kam völlig überraschend. Hattest du eine Vorahnung?</p>



<p><em>Nein, ganz und gar nicht. Obwohl, aus unerklärlichem Grund haben wir einen Tag vor seinem Tod darüber gesprochen, was ich denn zu tun hätte, wenn er plötzlich verstirbt. Wie er sich seinen letzten Weg vorstellt, was ihm wichtig wäre. Seit dem Tod meines Vaters habe ich dieses Thema immer wieder angeschnitten, weil es mich einfach beschäftigt hat. Irgendwie war Günter nie richtig darauf eingestiegen, es blieb ein Tabuthema mit vielen Fragezeichen. </em></p>



<p>Wie hast du Günters Tod erlebt? Was ist dir davon heute noch in Erinnerung?</p>



<p><em>Am Sonntag, dem 4.12.2022 bin ich wie immer vor Günter aufgestanden und habe ein paar Dinge im Haushalt erledigt. Ich habe die Zeit am Sonntagvormittag genossen, es gab keinen Stress, wir lebten unseren unterschiedlichen Rhythmus. Alles war gut. </em></p>



<p><em>Nachdem es aber schon auf Mittag zuging, wollte ich ihn dann doch wecken. Ich bin ins Schlafzimmer gegangen und habe bemerkt, dass er sich nicht bewegt. Günter hat mich oft erschreckt und sich schlafend gestellt, um mich dann plötzlich und unerwartet mit lautem Geschrei und Gelächter aus der Fassung zu bringen. Das blieb diesmal aus. Ich habe ihn gefragt, ob er nicht aufstehen will, und seine Hand gestreichelt. Da habe ich bemerkt, dass er sich kalt anfühlt. Ich habe seine Hand genommen und ihn in Panik geschüttelt und angeschrien. Sehr schnell habe ich registriert, dass ich ihm nicht mehr helfen kann.</em></p>



<p>Wie hast du darauf reagiert? Warst du in der Lage zu handeln?</p>



<p><em>Ich habe den Notruf gewählt und bin nicht durchgekommen. Da fiel mir ein Kollege ein, der ehrenamtlich beim Roten Kreuz arbeitet. Seine Nummer habe ich dann gewählt. Er hat sofort verstanden, was los war. Hat mich instruiert, was ich tun muss, und die nächsten Schritte in die Wege geleitet. </em></p>



<p><em>Für mich war es einfach unfassbar. Aber wie schon oft in außergewöhnlichen Situationen, habe ich einfach funktioniert. Als dann alle Rettungskräfte im Haus waren und mir ein Sanitäter und anschließend auch der Notarzt mitteilten, dass es leider keine Hilfe mehr gegeben hat, er an einem Herzinfarkt ohne Kampf einfach verstorben war und das bestimmt schon in den frühen Morgenstunden geschehen ist, war es schwer das alles zu begreifen. Ich habe mir Vorwürfe gemacht, ihn nicht früher geweckt zu haben. Vielleicht hätte ich das Drama verhindern können? Aber es musste passiert sein, als ich selbst noch geschlafen habe.</em></p>



<p>Warst du in der Situation alleine?</p>



<p><em>Für mich war klar, ich muss meine Töchter informieren. Meine Kinder kenn&#8216; ich besser als seine und ich hatte eine Ahnung, wie ihre Reaktion sein würde. Günters Kinder zu informieren, das war eine große Herausforderung für mich. Ich wollte aber nicht, dass jemand Fremder die Nachricht überbringt. Ich habe mich dann für den Anruf bei Anna entschieden, seine mittlere Tochter. Sie schien mir am gefestigsten zu sein.</em></p>



<p><em>Nach etwa einer Stunde hatte ich volles Haus: Sanitäter, Notarzt, meine und Günters Kinder, ein Kriseninterventionsteam, alle waren da. Ich hatte Unterstützung und Hilfe. </em></p>



<p>Was war das Schlimmste für dich?</p>



<p><em>Sehr schlimm habe ich es empfunden, als die Bestattung kam und Günter dann im Wagen weggebracht wurde. Wir sind auf der Straße gestanden und haben dem Auto nachgeschaut.</em></p>



<p>Was hat dir in der ersten Zeit der Trauer geholfen? Wie konntest du dich motivieren, weiterzumachen?</p>



<p><em>Die ersten Tage bis zur Beerdigung habe ich gut funktioniert, es gab vieles zu organisieren und ich habe mit den Kindern alle Wege erledigt.</em></p>



<p><em>Mir war klar, dass mein Leben weitergeht, obwohl ich zwischendurch meine Zweifel hatte, wie ich das alles bewerkstelligen sollte. Ich fühlte mich so alleingelassen.</em></p>



<p><em>Viele tolle Freunde, ein gutes soziales Umfeld, meine Kolleginnen und Kollegen und das Verständnis meines Arbeitgebers haben mir gezeigt, dass ich vielen Menschen wichtig bin und dass ich gut eingebettet bin in einen großen Kreis lieber Menschen, mit jeder Art der Unterstützung rechnen kann.</em></p>



<p>Wie hat dein Umfeld reagiert &#8211; was hat dich gestützt, was hast du als das Gegenteil empfunden?</p>



<p><em>Die meisten waren betroffen und haben ihre Hilfe angeboten. Meine Kinder sind eine Zeit bei mir geblieben und haben mich auch später täglich angerufen. Sie haben oft nachgefragt, wie es mir geht. Bis ich dann von mir aus gesagt habe, dass ich das nicht mehr möchte. </em></p>



<p><em>Befremdlich war es teilweise in der Arbeit, weil mir Kolleginnen und Kollegen aus dem Weg gegangen sind und eine Begegnung mit mir gemieden haben. Aber nicht jeder ist gleich und kann damit umgehen. Ich wollte nur ganz normal behandelt werden, aber das hat sich alles in kurzer Zeit eingependelt.</em></p>



<p>Wie würdest du nun damit umgehen, wenn du jemanden zu trösten hättest?</p>



<p><em>Ich würde immer zuerst fragen, ob der oder die Betroffene reden möchte. Ich würde offen und ohne Scheu auf jemanden zugehen, seine Reaktion abwarten. Ich würde zuhören und versuchen, gut zuzureden, aber das ist sehr individuell, je nachdem wie gut man den Hinterbliebenen kennt und wie eng die Freundschaft ist. Ich würde meine Unterstützung anbieten und fragen, ob ich mich melden darf, damit ich nicht als aufdringlich empfunden werde.</em></p>



<p>Hast du Lehren aus dem plötzlichen Tod gezogen und handelst jetzt anders, als du es vorher getan hast? Hast du dich verändert?</p>



<p><em>Bestimmt gehe ich mit dem Tod und dem Sterben anders um als früher. Es gehört zum Leben und ich weiß, dass manche viel zu früh gehen müssen. Trotzdem muss man es annehmen, weil es nicht zu ändern ist.</em></p>



<p><em>Man empfindet es als ungerecht und kann es nicht begreifen, aber das eigene Leben geht weiter und ich versuche das Beste daraus zu machen. </em></p>



<p>Wie behältst du Günter in deinem Leben, welche Erinnerungen sind nach wie vor wach?</p>



<p><em>Günter wird immer Teil meines Lebens bleiben. Viele schöne Erlebnisse, Urlaube, Fotos und auch tragische Ereignisse haben uns 14 Jahre zusammengeschweißt. Wir haben uns gegenseitig unterstützt und waren immer füreinander da. Es gab gute und weniger gute Zeiten. Wir mussten uns zusammenraufen, haben aber immer daran gearbeitet, dass unsere Beziehung und Liebe funktioniert. Nach wie vor habe ich guten Kontakt zu Günters Kindern, das ist mir auch sehr wichtig.</em></p>



<p>Danke, liebe Claudia, für deine Offenheit!</p>
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