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	<title>Umgang mit der Trauer &#8211; Kirschhäubchen</title>
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	<title>Umgang mit der Trauer &#8211; Kirschhäubchen</title>
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		<title>Hunde – Die treuesten Begleiter in schweren Zeiten</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Kirschhaeubchen]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 21 Apr 2025 17:21:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Umgang mit der Trauer]]></category>
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					<description><![CDATA[Es ist Ostermontag. Ein Tag zum Durchatmen, zum Innehalten – so zumindest der Plan. Nach fünf vollgepackten Arbeitstagen, einem Wochenende voller Erledigungen und dem obligatorischen Familienbrunch am Ostersonntag, sollte dieser Tag mir gehören. Ruhe. Pause. Stille. Doch genau diese Stille ist es, die mich herausfordert. Ich bin so sehr im „Funktionieren“, dass ich gar nicht [&#8230;]]]></description>
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<p>Es ist Ostermontag. Ein Tag zum Durchatmen, zum Innehalten – so zumindest der Plan. Nach fünf vollgepackten Arbeitstagen, einem Wochenende voller Erledigungen und dem obligatorischen Familienbrunch am Ostersonntag, sollte dieser Tag mir gehören. Ruhe. Pause. Stille.</p>



<p>Doch genau diese Stille ist es, die mich herausfordert. Ich bin so sehr im „Funktionieren“, dass ich gar nicht mehr weiß, wie man loslässt. Das Alleinsein fühlt sich nicht wie Erholung an, sondern wie eine Prüfung. Und dann ist da Jakob. Mein Hund. Mein Fels. Mein bester Freund. Und ja – dieser Beitrag gehört nur ihm.</p>



<p>Dabei hätte ich nie gedacht, dass ich mal ein Hundemensch werde. Ich war überzeugt, dass Katzen besser zu mir passen. Still, unabhängig, ein bisschen eigen – wie ich. Aber dann kam der Januar 2014. Kathi wurde krank. Krebs. Von einem Tag auf den anderen war nichts mehr, wie es war. Die Diagnose riss sie aus ihrem Leben, aus der Arbeit, aus der Leichtigkeit. Zuhause wurde es stiller. Und schwerer. Ihr Lachen, früher laut und ansteckend, war plötzlich kaum noch zu hören.</p>



<p>Ich spürte: Wir brauchen jemanden. Einen, der keine Fragen stellt. Der einfach da ist. Der Wärme schenkt, ohne Worte. Einen Hund.</p>



<p>Es war ein kurzer Moment der Recherche, ein einziger Blick auf eine Züchterseite – und da war er: ein kleiner, rundlicher Tibet-Terrier, schneeweiß, mit einem einzigen braunen Fleck auf der Seite. Als hätte jemand eine Tasse Cappuccino über ihn gekippt. Jakob.</p>



<p>Im Oktober 2014 zog er bei Kathi ein – und mit ihm zog neues Leben ein. Plötzlich war da wieder Lachen im Haus. Er war quirlig, neugierig, manchmal auch nervig – aber immer voller Liebe. Natürlich war es nicht einfach. Welpen bringen Chaos, Verantwortung und einen neuen Alltag. Doch inmitten von Krankenhausbesuchen, Therapien und Ängsten war Jakob der Lichtblick. Er verstand, ohne zu verstehen. Spürte, was sie brauchte – und war einfach da.</p>



<p>Als Kathi zu schwach wurde, übernahm ich. Jakob zog zu mir. Ich organisierte einen Hundesitter, strukturierte meinen Tag neu – alles, um diesen kleinen Vierbeiner in unserem Leben zu behalten. Rückblickend war es vielleicht nicht der beste Zeitpunkt für einen Welpen. Aber ganz ehrlich? Ich glaube, er war genau zur richtigen Zeit am richtigen Ort.</p>



<p>Und dann kam der schlimmste Tag. Kathi war nicht mehr da. Und ich… ich fiel. Tief. Doch ich fiel nicht allein. Jakob war da. Leise. Behutsam. Mit seiner Schnauze auf meinem Bein, seinen Augen auf mir. Er trug meinen Schmerz mit, wie ein stiller Held. Zog mich zurück ins Leben. Schritt für Schritt.</p>



<p>Wegen ihm musste ich raus. Raus in die Natur. Raus aus meiner Trauerblase. Spaziergänge wurden zu Therapie, sein Blick zum Halt. Wenn ich weinte, blieb er. Immer. Und irgendwann wurde es ein kleines bisschen heller.</p>



<p>Später nahm ich mir vor, mit ihm zur Hundeschule zu gehen – aus Vernunft, aus Pflichtgefühl. Einzeltraining, weil ich für Gruppen noch nicht bereit war. Doch schon nach der ersten Stunde wurde klar: Wir brauchten das nicht. Wir waren längst ein eingespieltes Team. Jakob wich nie von meiner Seite. Die Trainerin sagte, er fühle sich verantwortlich für mich. Und das stimmte.</p>



<p>Er begleitete mich überall hin – auch nach Deutschland, als ich für zweieinhalb Jahre dort lebte. Ein geduldiger Beifahrer auf der Strecke zwischen Stuttgart und Teesdorf. Später, zurück in Wien, wurde er sogar Teil meines Arbeitsalltags. Zwei-, dreimal pro Woche kommt er mit ins Büro. Die erste Frage die ich morgens höre: „Ist der Jakob heute mit?“ Er ist unser &#8222;Delphinschwimmen&#8220;, unsere Therapie. Ein bisschen Frieden auf vier Pfoten.</p>



<p>Heute ist Jakob fast elf. Wir sind nun beide ein bisschen ruhiger geworden. Gehen langsamer, schlafen früher, meiden Trubel, wenn’s geht. Und manchmal, wenn ich so in sein Gesicht blicke, denke ich, er sieht mir sogar ähnlich. Oder zumindest sagen das viele. Vielleicht, weil wir uns über die Jahre gegenseitig geformt haben. Wie ein altes Ehepaar, das immer zusammengehalten hat. </p>



<p>Ich weiß nicht, ob ich je wieder einen Hund haben werde. Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Denn Jakob ist besonders. Er ist nicht „ein Hund“. Er ist <em>mein</em> Hund. Mein Gefährte durch die dunkelste Zeit. Mein Lehrer in Sachen Geduld, Nähe und Liebe. Mein stiller Retter.</p>



<p>Und solange er bei mir ist, werde ich alles tun, damit seine letzten Jahre genauso voller Liebe sind, wie er meine mit seiner erfüllt hat.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Wenn ich nicht mehr entscheiden kann</title>
		<link>https://www.kirschhaeubchen.at/wenn-ich-nicht-mehr-entscheiden-kann/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kirschhaeubchen]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 29 Jan 2025 11:25:41 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Umgang mit der Trauer]]></category>
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					<description><![CDATA[Im Rahmen der Ausbildung zum Lebens-, Sterbe- und Trauerbegleiter wurde viel über die Vergänglichkeit des Lebens, das Sterben und den Tod aufgegriffen. Ich verstehe nur zu gut, dass sich nicht jeder damit wohlfühlt und das Thema gerne weit von sich wegschieben möchte. Auf der anderen Seite bemerke in meinem Freundeskreis, wir gehören fast alle zur [&#8230;]]]></description>
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<p>Im Rahmen der Ausbildung zum Lebens-, Sterbe- und Trauerbegleiter wurde viel über die Vergänglichkeit des Lebens, das Sterben und den Tod aufgegriffen. Ich verstehe nur zu gut, dass sich nicht jeder damit wohlfühlt und das Thema gerne weit von sich wegschieben möchte. Auf der anderen Seite bemerke in meinem Freundeskreis, wir gehören fast alle zur Generation der Babyboomer, ein langsames Erwachen des Bewusstseins, dass die Zeit, die vor uns liegt, weit kürzer ist als die Zeit, die wir bereits hinter uns haben. Da ist viel Wehmut dabei, obwohl es uns eigentlich gut geht. Einige unserer Freunde oder Bekannten hatten nicht so viel Glück und umso mehr genießen wir das Leben und schmieden Pläne für die Zukunft. Meist ist das die nächste Reise, eventuell ein neues Auto oder eine notwendige Sanierung der Wohnung. Und manchmal schleichen sich Überlegungen ein, die bewusste Frage: „Was ist in zehn Jahren? Wird es für mich zu beschwerlich, für eine Urlaubsreise den halben Globus zu umrunden? Bin ich überhaupt noch in der Lage, verantwortungsvoll, sicher und geistig rege mit meinem Auto unterwegs zu sein? Und sollte ich darüber nachdenken, ob das Schlafzimmer im Obergeschoss wirklich die Ideallösung ist?“ Tja, so haben sich die Themen verändert, über die wir bei unseren geselligen Treffen sprechen.</p>



<p>Zurzeit tauchen die Begriffe Patientenverfügung und Vertretungsvollmacht in unseren Gesprächsrunden auf. Obwohl die beiden oft im selben Atemzug genannt werden, haben sie völlig unterschiedliche Funktionen. Aber kaum einer von uns hat die Angelegenheit bereits zu Ende gedacht und eine oder sogar beide dieser rechtlich bindenden Dokumente verfasst und hinterlegt. Auch ich kann mich hier nicht ausnehmen, obwohl ich es durch meinen Kurs eigentlich besser wissen sollte.</p>



<p>Ich erinnere mich an den Vortrag eines Juristen im Rahmen der Ausbildung: Wenn ich nicht mehr entscheiden kann – Erwachsenenschutzgesetz, Patientenverfügung und Vertretungsvollmacht. Zugegeben, Zuhörer, denen Juristendeutsch vertraut ist, konnten dem Vortrag viel leichter folgen als jene, die damit nicht so oft zu tun haben. Aber so schwierig ist es gar nicht, die beiden Dokumente und ihre Bedeutung auseinanderzuhalten.</p>



<p>Patientenverfügung</p>



<p>Eine Patientenverfügung ist ein Dokument, in dem festgelegt wird, welche medizinischen Behandlungen man sich im Ernstfall wünscht und vor allem, welche medizinischen Behandlungen man ablehnt und auf keinen Fall möchte. Im Vorhinein entscheidet man, was geschehen soll, wenn man durch einen Unfall oder ernsthafte Erkrankung nicht in der Lage ist, seine Wünsche zu äußern. In einer Patientenverfügung kann ich festlegen, ob ich lebenserhaltende Maßnahmen wie künstliche Beatmung oder Ernährung haben möchte oder nicht. Diese Wünsche müssen klar und deutlich formuliert sein, damit Ärzte und auch Angehörige im Notfall wissen, was zu tun ist. Eine Patientenverfügung ist acht Jahre lang gültig, wenn man selbst keine kürzere Frist bestimmt. Sie kann jederzeit erneuert, ergänzt oder geändert werden. Bei einer Ergänzung oder Änderung beginnt die Frist von acht Jahren neu zu laufen. Die Patientenverfügung kann darüber hinaus jederzeit widerrufen werden. Es gibt Vordrucke für Patientenverfügungen, die einem die Formulierung der eigenen Wünsche wesentlich erleichtern. Zudem empfiehlt es sich, die Patientenverfügung beim Hausarzt zu hinterlegen. Ein Patientenverfügungsregister gibt es in Österreich zwar nicht, aber zukünftig soll die Patientenverfügung in der elektronischen Gesundheitsakte abrufbar sein.</p>



<p>Meine Tochter hat kurz vor ihrem Tod eine Patientenverfügung ausgefüllt. Sie war dazu bei ihrer Ärztin, die bestätigte, dass ihre Entscheidungen klar und nachvollziehbar nach ausführlichen Gesprächen mit ihren Onkologen getroffen worden sind. Sie bestätigt weiter, dass „….Frau Magnet, geistig in allen Richtungen orientiert und kompetent, sich sehr differenziert mit ihrer Erkrankung und deren Symptomen auseinandersetzt“. Kathi wollte explizit keine Ganzhirnbestrahlung, lehnte diese entschieden ab. Kurative und palliative Begleitung würde sie hingegen gerne in Anspruch nehmen.</p>



<p>Vertretungsvollmacht</p>



<p>Eine Vertretungsvollmacht ist ein Dokument, in dem du einer anderen Person das Recht gibst, in deinem Nahmen Entscheidungen zu treffen, wenn du dazu selbst nicht mehr in der Lage bist. Diese Person wird als „Bevollmächtigter“ bezeichnet. Mit einer Vertretungsvollmacht kannst du sicherstellen, dass jemand, dem du vertraust, deine Interessen oder Wünsche vertritt. Diese Person kann dann Entscheidungen über medizinische Behandlungen, aber auch über andere wichtige Angelegenheiten treffen, wie zum Beispiel rechtliche und finanzielle Fragen.</p>



<p>Beide Dokumente sind wichtig, um sicherzustellen, dass deine Wünsche respektiert werden und du die Unterstützung bekommst, die du dir für dich wünschst. Eigentlich ist es nie zu früh, sich damit auseinanderzusetzen. Natürlich ist beides mit Kosten verbunden, eine Vertretungsvollmacht schlägt sich mit 580 Euro zu Buche, eine Patientenverfügung mit etwa 150 Euro. Aber ich denke, es ist gut investiertes Geld und lässt dich ein wenig entspannter in die Zukunft blicken und die nächste Reise planen.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Facebook, Instagram und Trauer</title>
		<link>https://www.kirschhaeubchen.at/instagram-und-trauer/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kirschhaeubchen]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 15 Jan 2025 16:47:12 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Umgang mit der Trauer]]></category>
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					<description><![CDATA[„Es ist kaum zu glauben – Instagram kennt mich offenbar besser als ich mich selbst!“ Seit ich meine Blogbeiträge auf Instagram und Facebook veröffentliche, überschüttet mich die App mit Stories und Reels, die das Thema Tod und Trauer aufgreifen. Ein Meer aus düsteren Landschaften und weinenden Emojis, herzzerreißende Geschichten von Menschen, die mit ihrem Tod [&#8230;]]]></description>
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<p>„Es ist kaum zu glauben – Instagram kennt mich offenbar besser als ich mich selbst!“ Seit ich meine Blogbeiträge auf Instagram und Facebook veröffentliche, überschüttet mich die App mit Stories und Reels, die das Thema Tod und Trauer aufgreifen. Ein Meer aus düsteren Landschaften und weinenden Emojis, herzzerreißende Geschichten von Menschen, die mit ihrem Tod konfrontiert sind. Beiträge eines jungen coolen Bestatters, der auf dem Weg zur nächsten Party noch schnell einen Verstorbenen aus dem Pflegeheim abholt. Videos, wie man einen Sarg mit Seide ausschlägt und welche Grabblumen sich besonders gut eigenen. Seiten, die mir versprechen, wie ich erfolgreich mit meiner Trauer umgehen kann. Jede Menge aufmunternde Sprüche und Lebensweisheiten, dass das Leben eben nur zu vergänglich ist? Aber brauche ich all das?</p>



<p>Instagram hat ein ausgeklügeltes Algorithmus-System, das auf das Verhalten seiner Nutzer reagiert, um personalisierte Inhalte anzuzeigen. Poste ich also auf Kirschhäubchen eine Erinnerung an meine verstorbene Tochter, erkennt der Algorithmus das und passt meine Suchergebnisse sowie die angezeigten Beiträge entsprechend an. Das hat zur Folge, dass ich mehr Inhalte sehe, die mit Trauer, Verlust oder ähnlichen Themen in Verbindung stehen. Dies können sowohl unterstützende Beiträge als auch Werbung für Trauerbewältigungsressourcen umfassen. Instagram versucht mir Inhalte zu zeigen, die offensichtlich meinem emotionalen Zustand entsprechen. Das kann sowohl hilfreich als auch herausfordernd sein. Es gibt mir vielleicht die Chance, mich mit Gleichgesinnten zu verbinden oder Unterstützung zu finden. Aber auf der anderen Seite ist es oft zu viel des Guten. Es ist deshalb immens wichtig, auf sein eigenes Wohlbefinden zu achten und gegebenenfalls Pausen von solchen Inhalten einzulegen und einfach weiter zu scrollen. Manches finde ich schlichtweg geschmacklos und ich verstehe nicht, wie man solche Postings verfassen kann. Manche Videos sind sogar verstörend und gehen derartig an die Schmerzgrenze, dass ich mich frage, wer hier den Nerv hat, das überhaupt zu filmen? Es scheinen nur die Klicks zu zählen.</p>



<p>Aber manches Mal findet man kleine Schätze, die ich wunderschön finde und ich freue mich, darauf gestoßen zu sein. Ich habe eine junge Frau entdeckt, Clara Lösel, 24 Jahre alt. Sie ist Autorin und Poetryslamerin und hat auf Instagram eine Trauerrede vorgetragen, die ich unbedingt teilen möchte. Clara gibt dazu die Erlaubnis und bittet nur darum, dass man ihren Namen als Verfasserin nennt. Das tue ich hiermit und bedanke mich für diesen berührenden Text.</p>



<p class="has-text-align-center"><em>Wie ein ganz normaler Tag</em></p>



<p class="has-text-align-center"><em>Es ist schwer für mich zu begreifen, dass die Erde sich noch dreht.</em></p>



<p class="has-text-align-center"><em>So wie gestern, so wie morgen, dass alles einfach weitergeht.</em></p>



<p class="has-text-align-center"><em>Es ist schwer für mich zu begreifen, dass die Welt noch funktioniert.</em></p>



<p class="has-text-align-center"><em>Man denkt, es müsste anders sein, wenn man jemanden verliert.</em></p>



<p class="has-text-align-center"><em>Es ist schwer für mich zu begreifen, dass heute für die meisten Menschen nur ein ganz normaler Tag ist.</em></p>



<p class="has-text-align-center"><em>Wie können sie das denken?</em></p>



<p class="has-text-align-center"><em>Wie kann es sein, dass Menschen ganz normal zur Arbeit gehen? Dass sie Freunde treffen und in Einkaufsschlangen stehen?</em></p>



<p class="has-text-align-center"><em>Jemand sagt „Ich liebe Dich“, eine Reisegruppe läuft durch Prag, alles so, als wäre heute nur ein ganz normaler Tag.</em></p>



<p class="has-text-align-center"><em>Jemand nimmt den letzten Bus, jemand bringt ein Kind zur Welt, jemand wählt zum ersten Mal, jemand bekommt Wechselgeld.</em></p>



<p class="has-text-align-center"><em>Jemand streicht ein Haus, jemand errechnet den Ertrag, alles so als wäre heute nur ein ganz normaler Tag.</em></p>



<p class="has-text-align-center"><em>Und ich, ich steh daneben mit Tränen in den Augen und frag mich, wie das geht?</em></p>



<p class="has-text-align-center"><em>Und was die Menschen sich erlauben, dass sie so tun, als wäre heute alles doch so ganz normal.</em></p>



<p class="has-text-align-center"><em>Du bist nicht mehr hier und es scheint ihnen egal.</em></p>



<p class="has-text-align-center"><em>Und ich muss mich erinnern &#8211; sie wissen es nicht!</em></p>



<p class="has-text-align-center"><em>Die Menschen können es nicht verstehen.</em></p>



<p class="has-text-align-center"><em>Denn weil sie dich nicht kannten, wissen sie auch nicht was fehlt.</em></p>



<p class="has-text-align-center"><em>Weil man kann ja nur verlieren, was man einmal hatte.</em></p>



<p class="has-text-align-center"><em>Und ganz egal wie sehr ich diesen Tag auch hasse, wenn das der Preis ist, den ich zahle, für die wunderschöne Zeit mit dir, dann würde ich dich jederzeit immer wieder gerne verlieren.</em></p>



<p></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Kann ich etwas für dich tun?</title>
		<link>https://www.kirschhaeubchen.at/kann-ich-etwas-fuer-dich-tun/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kirschhaeubchen]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 21 Sep 2024 22:10:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Umgang mit der Trauer]]></category>
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					<description><![CDATA[Wenn wir in unserem engeren Umfeld, in der Familie oder im Freundeskreis mit einem Trauerfall konfrontiert werden, spüren wir das natürliche Verlangen oder aber auch die Verpflichtung, dem Betroffenen beizustehen. Da dies keine alltägliche Situation ist, stellt sich die Frage, wie diese Unterstützung aussehen soll. „Kann ich etwas für dich tun?“ Diese gut gemeinte Frage, [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Wenn wir in unserem engeren Umfeld, in der Familie oder im Freundeskreis mit einem Trauerfall konfrontiert werden, spüren wir das natürliche Verlangen oder aber auch die Verpflichtung, dem Betroffenen beizustehen. Da dies keine alltägliche Situation ist, stellt sich die Frage, wie diese Unterstützung aussehen soll. „Kann ich etwas für dich tun?“ Diese gut gemeinte Frage, an einen Trauernden gerichtet, bringt selten eine befriedigende Antwort. Trauernde sind in ihrer Situation oft gar nicht in der Lage, ihre Wünsche oder Bedürfnisse zu formulieren. Noch viel weniger haben sie die Kraft, auf andere zuzugehen und aktiv um Unterstützung zu bitten. Darum ist auch die Aufforderung: &#8222;Melde dich, wenn du etwas brauchst.&#8220;, nicht unbedingt sinnvoll. Was Trauernde aber sicher brauchen, ist Verständnis, Wärme und Zuneigung, Menschen, die für sie da sind. Wir dürfen sie daher nicht sich selbst überlassen.Wer trauert, lebt im Ausnahmezustand. Er leidet körperlich und seelisch, selbst den gewohnten Alltag zu bewältigen fällt ihm schwer. Ich kann mich noch gut an dieses bleierne Gefühl erinnern, als hätte ich schwere Gewichte an Armen und Beinen. Es ist so wichtig, dass Außenstehende den Mut aufbringen, auf den Trauernden zuzugehen.</p>



<p>Ich habe hier ein paar Gedanken und Erinnerungen zusammengefasst. Vielleicht ist es eine kleine Orientierungshilfe, ein Denkanstoß, was man tun und wie man möglicherweise helfen könnte. Es sind dies Dinge, die auch mir in der ersten Zeit geholfen haben.</p>



<p><em>Ruf nicht an, schau einfach vorbei.</em></p>



<p>&#8222;Hallo, hier bin ich, ich habe dir etwas zu Essen mitgebracht.&#8220; Diese kleine Geste kann immensen Halt geben. Jemand macht sich Gedanken darüber, ob ich auch gut versorgt bin. Es geht nicht darum, Trost zu spenden oder eine Lösung parat zu haben. Es geht um ein alltägliches Bedürfnis, das gestillt werden muss. Und wenn ihr merkt, es passt gerade gar nicht, übergebt euer Mitbringsel. Als Draufgabe packt noch eine liebevolle Umarmung dazu und verabschiedet euch wieder. Fühlt euch nicht zurückgestoßen sondern seid euch sicher, dass eure Fürsorge gut tut. Es ist wie ein kleines Wundpflaster in der schweren Zeit. Ihr könnt auch Hilfe im Haushalt anbieten, Besorgungen erledigen oder den Rasen mähen. Das alles sind Aufgaben, für die der Trauernde kaum Kraft aufbringen kann.  </p>



<p><em>Wer für Trauernde da ist, begegnet den eigenen Gefühlen.</em></p>



<p>Trauernde zu begleiten heißt auch, sich seinen Ängsten zu stellen. Oft fehlen uns schlichtweg die Worte. Ein offener Umgang und das Eingeständnis, selbst sprachlos und ratlos zu sein, ist nur ehrlich und aufrichtig. Seid nicht genervt, wenn sich in den ersten Wochen und Monaten die Themen, über die der Trauernde sprechen will, wie in einer Endlosschleife wiederholen. Ein Trauernder muss sprechen, um das Unfassbare überhaupt begreifen zu können. Die Gedanken kreisen unaufhörlich und brauchen ein Ventil. Im wiederholten Erzählen ordnet sich das Chaos im Kopf und der Trauernde findet dadurch ein bisschen Struktur und Halt. Ich kann verstehen, dass die Verzweiflung des Gegenübers schwer zu ertragen ist. Man ist selbst berührt, möchte am liebsten mitweinen und meint aber, es wäre angebrachter, Mut und Zuversicht zu signalisieren. Ihr könnt hier nichts falsch machen, solange ihr authentisch bleibt.</p>



<p>Eine meiner Lieblingserinnerungen liegt schon einige Jahre zurück. Ich bin nach Kathis Tod für einen neuen Job nach Deutschland gezogen. Ich wollte das Geschehene hinter mir lassen, neu anfangen. Was weiß ich, was ich mir damals gedacht habe. Rückblickend habe ich ständig irgendwelche „Aktionen“ gesetzt, nur um etwas weiterzubringen. Ich dachte wohl, wenn ich mich genug ablenke und beschäftige, wird der Schmerz geringer. Ich saß in einem kleinen Restaurant in der Nähe meiner Wohnung und war der einzige Gast an diesem Abend. Der junge Inhaber, der mir mein Essen zubereitet hatte, setzte sich zu mir an den Tisch. Wir begannen uns zu unterhalten und er fragte mich unter anderem, was mich hierher verschlagen hat. Und so erzählte ich ihm meine Geschichte. Selbst 700 Kilometer von zu Hause weg hatte ich sie im Gepäck. Er hörte mir aufmerksam zu, stand dann langsam auf und fragte mich: „Darf ich dich umarmen?“ Für einen kurzen Moment spürte ich so viel Anteilnahme und so viel Wärme von einem fremden Menschen. Mein Herz ging schier über. Ich fühlte mich verstanden und getröstet.</p>



<p>Gleichzeitig erinnere ich mich an ein Abendessen bei Freunden. Irgend eine Bemerkung ließ die Erinnerung an Kathi hochkommen und ich kämpfte mit den aufsteigenden Tränen. Ich flüchtete auf die Toilette und weinte dort in mich hinein. Nachdem ich mich wieder gefasst hatte, ging ich zurück an denTisch. Ich spüre noch heute das betretene Schweigen, das im Raum herrschte. Ich hatte das Gefühl, als hätte ich mich völlig daneben benommen. Irgendwann nahm die Unterhaltung wieder Fahrt auf, meine Verwirrung blieb.</p>



<p><em>Geduld und ein offenes Ohr</em></p>



<p>Sei für den Trauernden da und höre ihm zu, immer wieder. Versuche es nicht mit Floskeln wie „Das wird schon wieder!“. Oder &#8211; auch eines meiner Lieblingszitate: „Du musst nach vorne schauen.“ Bewerte die Trauer nicht. Auch ein Vergleich mit anderen, die es noch härter getroffen hat, ist nicht hilfreich. Der Verlust der 90-jährigen Mutter darf genauso weh tun wie der Verlust meiner 30-jährigen Tochter. Und wie schnell nach dem Ableben die Wohnung umgestaltet, der Kleiderschrank leergeräut oder das Türschild ausgetauscht wird, ist allein Sache des Trauernden. Was gefragt ist, ist dein Mitgefühl.</p>



<p>Behellige den Trauernden nicht mit den eigenen Trauererfahrungen, etwas, dass ich mir selbst bewusst vorgenommen habe. Ich bin nicht die Spezialistin in Sachen Trauerbewältigung, nur weil ich es selbst erlebt habe. Trauer lässt sich nicht vergleichen, auch unter engen Verwandten nicht. Es gibt keine Worte, die den Verlust leichter machen. Zeige dein Mitgefühl besser durch eine feste Umarmung. Und vor allem lass dem Trauernden Zeit. Dränge ihn nicht. Entwickle ein Gespür dafür, wann es angebracht ist, sich zurückzuziehen. Aber bitte bleibe dran – du wirst gebraucht!</p>



<p></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Jenseitskontakte</title>
		<link>https://www.kirschhaeubchen.at/jenseitskontakte/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kirschhaeubchen]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 30 Aug 2024 05:28:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Umgang mit der Trauer]]></category>
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					<description><![CDATA[Die Vorstellung, dass nach dem Tod eines geliebten Menschen wirklich alles vorbei ist und da nichts mehr ist, dieser Gedanke ist für viele Hinterbliebene schwer auszuhalten. Nicht selten klammern wir uns an die Vorstellung, dass die, die gegangen sind, immer noch um uns herum sind. Wir suchen nach Zeichen, die sie uns schicken. Wir träumen [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Die Vorstellung, dass nach dem Tod eines geliebten Menschen wirklich alles vorbei ist und da nichts mehr ist, dieser Gedanke ist für viele Hinterbliebene schwer auszuhalten. Nicht selten klammern wir uns an die Vorstellung, dass die, die gegangen sind, immer noch um uns herum sind. Wir suchen nach Zeichen, die sie uns schicken. Wir träumen von ihnen, wir spüren manchmal sogar ihre Anwesenheit. Ob das nun Humbug ist oder nicht, es ist einfach eine sehr persönliche Art, mit dem Verlust umzugehen.</p>



<p>Ich besuche mit meiner Schwester und einer lieben Freundin einen Vortrag über Jenseitskontakte. Meine Schwester kämpft mit dem Tod ihres Sohnes, mit Dingen, die sie ihm nicht mehr sagen konnte. Meine Freundin würde noch gerne mit ihrer Schwester in Kontakt treten. Beide sind sehr neugierig, zumal ich ihnen dazu viel Positives erzählt habe. Ich kenne die Dame, die vorträgt, ich war vor über acht Jahren schon einmal als Zuhörerin im Saal. Ich hatte damals verzweifelt nach einer Botschaft von Kathi gesucht, aber stattdessen Nachrichten von meinem verstorbenen Bruder erhalten. Nach dieser ersten Erfahrung habe ich sogar eine Einzelsitzung gebucht und dabei Botschaften nicht nur von Kathi, sondern auch von meinen verstorbenen Eltern und von Freunden erhalten. Ich kann mich gut daran erinnern, dass es mich zu diesem Zeitpunkt sehr getröstet hat und ich froh war, es getan zu haben. Das gesamte Gespräch wurde sogar auf einer CD aufgenommen, die ich nach Hause mitbekommen habe. Aus diesem Grund habe ich die Veranstaltung auch meinen beiden Begleiterinnen empfohlen.</p>



<p>Der erste Teil des Vortrags ist sehr allgemein gehalten. Der Saal ist gut gefüllt, rund 95 Prozent der Anwesenden sind Frauen aller Altersstufen. Nichts am Setting ist düster oder gar mystisch, es könnte jeder Vortrag hier stattfinden. Die Vortragende beschreibt unsere Verstorbenen als Energie, die immer um uns herum ist, und zeichnet ein Bild, das insgesamt tröstlich ist. Sie sind da, es geht ihnen gut, und wir müssen uns keine Sorgen um sie machen. Nach einer einstündigen Pause versammeln wir uns wieder im Saal. In dieser Pause versucht die Vortragende, Kontakt mit Verstorbenen aufzunehmen, um dann für einige aus dem Publikum Botschaften zu übermitteln.</p>



<p>Die ersten Zuschauer kommen dran, es entsteht ein Dialog aus Botschaften, die vom Empfänger nur mit Ja oder Nein beantwortet werden sollen. Man darf aber auch ablehnen, wenn man die Botschaft nicht annehmen möchte. Die Stimmung verändert sich im Saal, alle hören gespannt zu, es knistert förmlich. Die meisten antworten aber viel mehr als nur „ja“ und „nein“, zu überwältigt sprudelt es aus manchen heraus. Auf die Botschaft „Ich sehe, ihr Mann war sehr krank, ist das richtig?“, kommt die Antwort: „Ja, das stimmt. Er hatte Krebs“.</p>



<p>Wir drei kommen auch dran, ich wusste, dass ich ausgewählt werde, ich hatte das schon im Gefühl. Kathi hat Tröstliches für mich, letztendlich Botschaften, die ich bereits in der Einzelsitzung erhalten habe. Meine Schwester wird im Zusammenhang mit Kathi erwähnt, das Medium erzählt von der engen Beziehung, die die beiden während Kathis Schulzeit hatten. Meine Freundin erhält ausführlich Nachrichten von ihrer Schwester, die sie einerseits fesseln und andererseits sehr, sehr trösten.</p>



<p>Wir verlassen die Vorstellung und machen uns auf den Heimweg. Meine Schwester und meine Freundin sind sehr zufrieden mit dem Erlebten. Nur für mich passt diesmal irgendetwas nicht und ich komme nicht gleich darauf, was es sein könnte. Ich denke lange darüber nach.</p>



<p>Ein paar Tage später lautet mein Fazit: Wenn man sich so sehr wünscht, mit seinen Lieben in Kontakt zu treten, dann ist man nur allzu bereit, Gesagtes so auszulegen, wie man es eben gerne hören oder verstehen möchte.</p>



<p>Ich möchte nichts schlechtreden oder gänzlich in Frage stellen, aber für mich hat es nicht mehr gewirkt. Ich habe Kathis Tod schon viele Jahre akzeptiert und brauche diese Botschaften nicht mehr. Ich fühle mich immer mit ihr verbunden.</p>



<p>Für die Zuhörer, die an diesem Abend Nachrichten erhalten haben, hat es wahrscheinlich seinen Zweck erfüllt. Vielen hat das Gesagte gutgetan, sie sind glücklicher als davor, und somit hat letztendlich alles auch seine Richtigkeit.</p>



<p>Eine Begegnung hat mich aber ungemein berührt. Eine Reihe vor mir saß eine junge Frau, die ihren Bruder durch einen Motorradunfall verloren hatte. Ihre Geschichte hat mich zu Tränen gerührt, ich fand sie so tapfer. Wie sie damit gekämpft hat, das überlebende Kind ihrer Eltern zu sein. Nach dem Vortrag, als alle, die eine Botschaft erhalten haben, sich eine rote Rose abholen durften, sind wir aufeinander zugegangen und haben uns umarmt und ein bisschen gemeinsam geweint. Für mich war diese Geste das Tröstlichste an diesem Abend.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Lasst uns reden!</title>
		<link>https://www.kirschhaeubchen.at/lasst-uns-reden/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kirschhaeubchen]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 10 Mar 2024 12:43:56 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Umgang mit der Trauer]]></category>
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					<description><![CDATA[„Komm endlich raus aus deiner Opferrolle“, sagte kürzlich eine sehr liebe Freundin zu mir. Dieser Aussage war ein Gespräch vorausgegangen, das sich um die Folgen einer Krebserkrankung gedreht hatte. Ich hatte mich – so meinte ich zumindest – vorsichtig kritisch dazu geäußert, dass es sich laut ihrer Darstellung nur um eine vorübergehende Beeinträchtigung handelt, die [&#8230;]]]></description>
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<p>„Komm endlich raus aus deiner Opferrolle“, sagte kürzlich eine sehr liebe Freundin zu mir. Dieser Aussage war ein Gespräch vorausgegangen, das sich um die Folgen einer Krebserkrankung gedreht hatte. Ich hatte mich – so meinte ich zumindest – vorsichtig kritisch dazu geäußert, dass es sich laut ihrer Darstellung nur um eine vorübergehende Beeinträchtigung handelt, die mit positiver Einstellung in absehbarer Zeit wieder zum normalen Leben zurückführen würde. Sie meinte, dass eben ihr Glas immer halb voll wäre, das sei ihre Überlebensstrategie. Meines wäre tendenziell eher halb leer und das könne sie momentan gar nicht gebrauchen.</p>



<p>Ganz ehrlich, der Satz „Komm endlich raus aus deiner Opferrolle“ hat mich ungemein beschäftigt und tut es immer noch. Bin ich tatsächlich als verwaiste Mutter (diesen Ausdruck gibt es wirklich) zum Opfer geworden und habe mir diese Rolle wie eine Marotte zugelegt? Habe ich, weil meine Tochter gestorben ist, diese Rolle eingenommen und müsste jetzt endlich, nachdem ihr Tod neun Jahre zurückliegt, daraus wieder aussteigen und aufhören? Aufhören womit? So negativ zu sein, so pessimistisch zu sein, so traurig zu sein, so festzuhalten an dem, was ich verloren habe.</p>



<p>Auf einer Website des Vereins für „Trauernde Eltern“ habe ich Tipps gefunden, die bei der Bewältigung der Trauer helfen könnten. An erster Stelle steht der Ratschlag: „Reden Sie regelmäßig mit Ihren Freunden. Erzählen Sie, was in Ihnen vorgeht und was Sie fühlen.“</p>



<p>Das mag schon stimmen, aber das gilt wohl nur für einen ganz kleinen Kreis von Freundinnen und Freunden und nur für die erste Zeit der Trauer. Meine Erfahrung hat mir gezeigt, dass die Menschen in meinem Umfeld sich nichts sehnlicher wünschen, als dass es mir endlich wieder gut gehen möge. Aus der Hilflosigkeit heraus, ihre Anteilnahme und Betroffenheit in Worte zu fassen, sagen viele gar nichts, vermeiden es krampfhaft, das Gespräch darauf zu bringen und viele suchen auch einfach nur Abstand. So ist unser Umgang mit dem Tod. Und wenn es das eigene Kind betrifft, möchten die meisten gar nicht daran erinnert werden, dass das auch ihnen selbst passieren könnte.</p>



<p>Also habe ich schnell gelernt, für mich alleine zu weinen und traurig zu sein. Um hemmungslos weinen zu dürfen, habe ich mir eigene Zufluchtsorte gewählt. Anfangs bin ich nachts mit dem Auto durch die Gegend gefahren, damit ich meinen Schmerz ungehindert herausbrüllen konnte. Später habe ich für Therapiestunden bezahlt und einer Psychologin meine Tränen zugemutet. Für die anderen überwindet man seine Trauer, passt sich an, tut einfach weiter. Weil das Leben, so wird es uns erzählt, muss ja weitergehen. Aber das tut es nicht, es ist in Wirklichkeit alles anders. Ein Kind kann nicht ersetzt werden und Krebs ist in meiner Welt eine Krankheit mit tödlichem Ausgang. Das Grundvertrauen ins Leben ist ein für alle Mal zerstört. Und trotzdem würde ich nicht meinen, dass mein Glas tendenziell halb leer ist, sondern dass mich Kathis Tod gelehrt hat, dass eben nicht alles gut wird, auch wenn wir uns noch so sehr darum bemühen. Und es heißt auch nicht, dass man nicht wieder Glück erfahren kann. Im Gegenteil, die Geburt meiner beiden Enkelinnen sehe ich als Geschenk, sie sind ein Segen für mich. Dennoch bin ich immer noch tieftraurig, dass Kathi nicht mehr ist. Und ich denke, ich werde es Zeit meines Lebens sein.</p>



<p>Aus diesen Überlegungen heraus möchte ich meinen Blog wiederaufleben lassen. Es interessiert mich auch, wie andere Betroffene mit der Trauerbewältigung zurechtgekommen sind und wie sich ihr Leben verändert hat. Weil es so schwer ist, jemanden zu finden, mit dem man sich ehrlich austauschen kann. Daher würde ich mich über Feedback zu diesem Blog und Mails von Betroffenen freuen, ohne Opfer zu sein!</p>
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		<title>Trauerrunde</title>
		<link>https://www.kirschhaeubchen.at/trauerrunde/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kirschhaeubchen]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 20 Feb 2024 12:47:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Umgang mit der Trauer]]></category>
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					<description><![CDATA[Irgendwie, ich weiß gar nicht mehr genau warum, bin ich in einer Trauerrunde gelandet. Es war gar nicht unmittelbar nach Kathis Tod, sondern zwei bis drei Jahre später. Mein Schmerz war damals nicht mehr ganz so frisch, ich konnte mich mittlerweile schon mit Menschen über sie unterhalten, ohne ständig in Tränen auszubrechen. Dennoch war ich [&#8230;]]]></description>
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<p>Irgendwie, ich weiß gar nicht mehr genau warum, bin ich in einer Trauerrunde gelandet. Es war gar nicht unmittelbar nach Kathis Tod, sondern zwei bis drei Jahre später. Mein Schmerz war damals nicht mehr ganz so frisch, ich konnte mich mittlerweile schon mit Menschen über sie unterhalten, ohne ständig in Tränen auszubrechen. Dennoch war ich neugierig darauf, wie andere mit Verlust umgehen.</p>



<p>Somit saß ich dann einmal im Monat in einer kleinen Runde von fünf Damen und einem Herrn. Zu Beginn des Treffens haben wir uns reihum vorgestellt. Jeder erzählte kurz über sich und sprach über den Menschen, den er oder sie verloren hatte. Ein, zwei Schicksale nahmen mir den Atem, ich stellte meines dazu in Relation und war froh, dass ich mit Kathi eigentlich eine gute Zeit gehabt hatte. Ich empfand das erste Mal so etwas wie Dankbarkeit. Dankbarkeit dafür, dass wir während ihrer Krankheit noch viele Dinge nachholen konnten, über vieles noch reden konnten. Das haben in dieser Runde nicht alle so erlebt. Und das tat mir leid, ich litt mit diesen Menschen mit.</p>



<p>Unsere Gruppenleiterin war eine zurückhaltende, einfühlsame Dame, die uns allen viel Freiraum gab. Sie zwang uns kein bestimmtes Programm auf, sondern ließ uns den Ablauf selbst gestalten. Vor allem hörten wir einander zu. Wir unterbrachen uns nicht gegenseitig, fällten kein Urteil und hatten keine Scheu, wenn doch Tränen geflossen sind. Es tat mir einfach gut, ich wusste, ich bin nicht alleine. Wir alle hatten einen geliebten Menschen verloren und wir trauerten unterschiedlich.</p>



<p>Mit der Zeit machten wir Fortschritte, hatten wir anfangs noch recht verhalten von unseren Verstorbenen erzählt, erhielten sie im Laufe der Zeit einen Namen und wir zeigten uns gegenseitig Fotos. Auch das fand ich sehr schön und die Gruppe wurde mir immer vertrauter. Manches Mal lachten wir sogar gemeinsam.</p>



<p>Ich erinnere mich, dass unsere Gruppenleiterin beim dritten oder vierten Treffen eine sehr einfühlsame Frage stellte: Sie wollte wissen, wie wir zu Hause mit Fotos umgehen. Ob wir bewusst Erinnerungsfotos aufhängen oder ob es für uns vielleicht zu schmerzhaft wäre, sie anzusehen. Die Antworten waren so vielfältig wie die Menschen selbst.Für mich persönlich sind Fotos von Kathi sehr wichtig. Sie sind für mich wie kleine Fenster in die Vergangenheit, die mir Halt geben. In meiner Wohnung hängt eine Bilderwand, auf der Fotos von unserem letzten gemeinsamen Urlaub auf Sylt zu sehen sind – Momente, die ich nie vergessen möchte.</p>



<p>Andere Menschen haben ihre Erinnerungen auf eine andere Weise bewahrt, zum Beispiel durch einen kleinen Altar, auf dem sie ein Foto ihres geliebten Menschen platziert haben. An diesem Abend gab es auch eine sehr emotionale Reaktion einer Witwe. Sie sagte, dass sie im Moment kein Foto von ihrem Mann ansehen könne, weil er sich das Leben genommen hat und sie mit ihren Söhnen ganz allein zurückgelassen hat. Ihre Worte zeigten, wie tief die Gefühle sind, die mit solchen Erinnerungen verbunden sind, und wie unterschiedlich jeder Mensch damit umgeht.</p>



<p>Als unser Herr dran war, er hatte vor vier Monaten seine Frau durch Krebs verloren, antwortete er: „Ich glaube, ich werde jetzt alle Bilder abnehmen. Wenn ich eine neue Frau kennenlerne, was soll sie sich denn denken, wenn sie die Erinnerungsstücke an die Vorgängerin bei mir in der Wohnung sieht?“ Uns Damen blieb der Mund offenstehen, wir waren schreckensstarr. Mit so einer Antwort hatten wir alle nicht gerechnet. Bei mir regte sich so etwas wie Bewunderung dafür, dass er so fokusiert auf die Zukunft war. Ich steckte nach drei Jahren immer noch fest, starrte auf meine Bilderwand und konnte es immer noch nicht fassen.</p>



<p>Und tatsächlich! Kurze Zeit später traf unsere Gruppenleiterin besagten Witwer beim Spaziergang mit seiner neuen Flamme. Und die sah seiner verstorbenen Ehefrau unwahrscheinlich ähnlich. Übel genommen hat ihm das keiner, schön, wenn er eine neue Liebe gefunden hat.</p>



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		<title>Trauer – was ist das eigentlich?</title>
		<link>https://www.kirschhaeubchen.at/trauer-was-ist-das-eigentlich/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kirschhaeubchen]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 14 Jan 2024 12:45:39 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Umgang mit der Trauer]]></category>
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					<description><![CDATA[Sucht man nach dem Begriff „Trauer“ stößt man auf unterschiedliche Definitionen. Im Duden werden der Trauer zwei Bedeutungen zugemessen: zum einem ist es ein tiefer, seelischer Schmerz über einen Verlust oder ein Unglück und zum anderen ist es die offizielle Zeit des Trauerns nach einem Todesfall. In weiterer Folge nennt man Trauer auch die Art [&#8230;]]]></description>
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<p>Sucht man nach dem Begriff „Trauer“ stößt man auf unterschiedliche Definitionen. Im Duden werden der Trauer zwei Bedeutungen zugemessen: zum einem ist es ein tiefer, seelischer Schmerz über einen Verlust oder ein Unglück und zum anderen ist es die offizielle Zeit des Trauerns nach einem Todesfall. In weiterer Folge nennt man Trauer auch die Art der meist schwarzen Kleidung, die man als äußeres Zeichen für seinen Verlust trägt.</p>



<p><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Trauer" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Wikipedia</a> folgt dieser Begriffserklärung und bezeichnet die Trauer als eine durch einen schwerwiegenden Verlust verursachte <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Stimmung_(Psychologie)" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Gemütsstimmung</a>, die etwa durch den Verlust eines geliebten oder verehrten Menschen, durch einen ideellen Verlust oder die Erinnerung an solche Verluste hervorgerufen wird. Und weil Trauer etwas sehr Vielschichtiges ist, teilt Wikipedia die Trauer wiederum in verschiedene Arten ein.</p>



<p>Der Begriff „Trauer“ selbst stammt aus dem Althochdeutschen und bedeutet „traurig, ernst, nachdenklich“. Trauer bedeutet aber nicht unbedingt eine Reaktion auf den Tod. Trauer kann auch bei der Trennung vom Partner, dem Verlust des Arbeitsplatzes oder bei sonstigen Umständen auftreten, die das seelische Gleichgewicht durcheinanderbringen. Zumindest sagen das meine Internetrecherchen.</p>



<p>Trauer als emotionaler Zustand<br>Trauer kann sich auf die unterschiedlichste Weise bemerkbar machen. Meist geht sie einher mit Niedergeschlagenheit, emotionaler Abgestumpftheit, innerer Erstarrung und körperlichem Schmerz. Die unterschiedlichsten Gefühle treten auf, Panik, Wut, Zorn, Schuldgefühle. Die Lebensfreue schwindet und viele Trauernde ziehen sich innerlich zurück.</p>



<p>Trauer ist keine Krankheit oder eine natürliche Schutzreaktion, um den Verlust nicht zu spüren. Trauer ist eine ganz individuelle Form des Umgangs mit dem erlittenen Verlust und hält unterschiedlich lange an. Erst wenn der oder die Trauernde wieder gelernt hat, mit den neuen Lebensbedingungen zurechtzukommen, kann man vom Überwinden der Trauer sprechen.</p>



<p>Trauer als Prozess<br>Der Trauerprozess ist eine Zeit, die für jeden Menschen anders abläuft. Jeder Betroffene hat hier seinen eigenen Weg, benötigt unterschiedlich lange dafür und empfindet diese Zeit unterschiedlich intensiv. Die einen können den Verlust alleine bewältigen, andere brauchen Unterstützung. Gerade weil dieser Prozess so individuell ist, fühlen sich viele Menschen von ihrer Umgebung nicht verstanden, nicht wahr- und ernstgenommen. Der tiefe Schmerz und das Ausmaß der Gefühle sind für Außenstehende kaum nachvollziehbar.</p>



<p>Um der Trauer eine gewisse Struktur zu geben und um besser zu verstehen, wie sie abläuft, hat man versucht, sie in Phasen einzuordnen. Elisabeth Kübler-Ross, eine schweizerisch-US-amerikanische Psychiaterin und Sterbensforscherin beschrieb 1969 ein weltweit beachtetes Fünf-Phasen-Modell, welches den Umgang sterbenskranker Menschen mit ihrer Situation beschreibt. Nachdem Sterbende immer auch Trauernde sind, übertrug Kübler-Ross dieses Fünf-Phasen-Modell auch auf den Trauerprozess. Die britischen Trauerforscher <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/John_Bowlby" target="_blank" rel="noreferrer noopener">John Bowlby</a> und <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Colin_Murray_Parkes" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Colin Murray Parkes</a> entwickelten 1970 ein Vier-Phasen-Modell, das 1982 von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Verena_Kast" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Verena Kast</a>, einer schweizerischen Psychoanalytikerin, Supervisorin und Präsidentin des <a href="https://junginstitut.ch/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">C.G.-Jung-Instituts</a> in Zürich, übernommen wurde und das heute wahrscheinlich bekannteste Erklärungsmodell ist. Verena Kast teilt die Trauer in vier Abschnitte ein, die einen klaren Beginn und ein klares Ende haben. Sie beginnt also mit dem Ableben des geliebten Menschen und endet, sobald man sich neu orientiert hat.</p>



<ol class="wp-block-list">
<li>Trauerphase – Nicht-wahrhaben-Wollen<br>Vom Tod wird der oder die Betroffene/Trauernde immer überrascht, auch wenn man scheinbar Zeit hatte, sich darauf einzustellen. Der oder die Betroffene/Trauernde ist hilflos, verzweifelt und kann es einfach nicht glauben, leugnet es mitunter sogar. Diese Phase kann nach dem Modell von Verena Kast einige Stunden bis zu mehreren Wochen andauern.<br></li>



<li>Trauerphase – Aufbrechende Emotionen<br>Wacht der oder die Betroffene/Trauernde aus der Erstarrung auf, bahnen sich Gefühle ihren Weg. Schmerz, Wut, Traurigkeit, Angst, Zorn, manchmal auch Schuldgefühle, Fragen, Zweifel. Die Bandbreite ist groß und je nach der Persönlichkeitsstruktur des Trauernden unterschiedlich. Dieser Phase werden ein paar Wochen bis zu mehreren Monaten zugesprochen.<br></li>



<li>Trauerphase – Suchen und Sich-Trennen<br>Auf Verlust folgt Suchen. Der Verstorbene wird gesucht, Orte der Erinnerung werden aufgesucht, gemeinsame Erlebnisse werden durchlebt, innere Zwiegespräche geführt, die Sehnsucht nach dem Verlorenen nimmt überhand. Einerseits kann das Sammeln dieser Eindrücke einem unsagbar viel Trost spenden und einen Sinn geben, weiterzumachen. Andererseits kann aber diese intensive Suche in tiefe Verzweiflung münden. Gerade in diesem Abschnitt der Trauer stellt sich die Frage nach der Sinnhaftigkeit des Weitermachens und nicht selten können suizidale Gedanken auftreten. Diese Phase kann Wochen, Monate oder auch Jahre dauern.<br></li>



<li>Trauerphase – Neuer Selbst- und Weltbezug<br>Nachdem der oder die Betroffene/Trauernde durch das tiefe Tal der Trauer gewandert ist, seinen Gefühlen in jeglicher Form Ausdruck verliehen hat, kehrt allmählich Ruhe und Frieden ein. Unaufhaltsam erkennt der oder die Betroffene/Trauernde, dass das Leben tatsächlich weitergeht und blickt wieder nach vorne. Der Verstorbene bleibt Teil des Lebens, die Erinnerung bleibt aufrecht und in dieser Erinnerung richtet der oder die Betroffene/Trauernde sein Leben neu aus.</li>
</ol>



<p>Die Einteilung der Trauer in Phasen muss als Konzept verstanden werden, das weder allgemeine Gültigkeit hat, noch einen normativen Charakter besitzt. Trauer lässt sich nicht in ein Korsett pressen. Trauer ist ein Prozess, der für jeden Menschen anders abläuft. Die Dauer und die Intensität des Trauerweges sind so unterschiedlich wie die Menschen selbst.</p>



<p>Aus meiner eigenen Erfahrung kann ich sagen, dass meine Trauer ganz klar einen Beginn hatte. Es war der Zeitpunkt, als ich den Leichnam meiner Tochter im Krankenhaus gesehen habe und ich im wahrsten Sinne des Wortes „begriffen“ habe, dass ihr Tod nun endgültig ist. Ein klares, abgegrenztes Durchleben der einzelnen Phasen, wie von Verena Kast beschrieben, habe ich so nicht erlebt. Ich würde vielmehr sagen, dass die Trauer in Wellen kommt und völlig unberechenbar ist. War ich an einem Tag zuversichtlich, dass es nun besser wird, wurde ich am nächsten Tag wieder von Hilflosigkeit und Schmerz überschwemmt. Manchmal hatte ich das Gefühl, gar nicht weiterzukommen. Manchmal habe ich es fast vergessen, was passiert ist.</p>



<p>Mittlerweile habe ich mich neu orientiert, kann wieder Pläne schmieden. Kathis Tod hat Spuren hinterlassen, meine Einstellung zum Leben hat sich grundlegend verändert. Ich werde immer traurig sein, dass ich meine Tochter verloren habe. Somit kann ich ein Ende der Trauer für mich nicht festmachen. Aber ich kann meine Lebensbedingungen akzeptieren und nehme ihren Tod an.</p>



<p></p>
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